Leserbriefe

Die Vernunft der Frauen ist gefragt

23.11.2011, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Heide Mende-Kurz, Beuren. Zum Artikel „Stuttgart 21 mobilisiert viele Briefwähler“ vom 15. November. An alle Frauen in Baden-Württemberg: Der Verstand ist tätig, aber die Vernunft fehlt. Am 19. April 1994 hatten fünf Schwabenmänner, Ministerpräsident Erwin Teufel, die Verkehrsminister Matthias Wissmann (Bund) und Hermann Schaufler (Land) sowie der Stuttgarter Oberbürgermeister Manfred Rommel (alle CDU) gemeinsam mit dem Bahnchef Heinz Dürr den gigantischen Plan vereinbart, den Kopfbahnhof eine Etage tiefer zu legen, um dadurch 80 Hektar Land für Immobilien nutzbar zu machen und eine bessere Anbindung an den Flughafen zu gewinnen. Mit dem nachgeordneten, ehrgeizigen Ziel, die Bahn schneller, moderner und leistungsfähiger zu machen.

Hätte damals nur eine Frau in diesem Männergremium mitgearbeitet, es wäre nie zu diesem Wahnsinnsprojekt Stuttgart 21 gekommen. Wir Frauen haben ein angeborenes Gen, ein Gefühl für Sinnhaftigkeit der Dinge. Auch wenn heute viele Frauen leider schon diese Fähigkeit verlieren (siehe die Befürworterin Tanja Gönner) und meinen mehr zu gelten, wenn sie, wie viele Männer, alles nur in Zahlen zu messen und wiegen zu müssen glauben. Jeder Bahnhof aber soll einzig und allein nur den Menschen, die ihn benutzen (die Befürworter und Entscheidungsträger sind größtenteils gar keine Nutzer!), und ihren Gütern dienen.

Der Stuttgarter Kopfbahnhof ist doch lebensfähig, warum soll man einen lebensfähigen Organismus, der bereits 56 Züge in der Spitzenstunde abfertigen kann, töten, nur weil politische, aber vor allem wirtschaftliche Interessen (Immobilien!) legitimierte Planungstatsachen geschaffen haben, die uns unterjochen wollen, tote Zahlen (die größtenteils nicht mal der Wahrheit entsprechen, schöngerechnet und zurechtgebogen wurden), statt lebensvolle Sinnhaftigkeit zu erkennen. Weil nur Millionen Gelder für die Neubaustrecke Ulm fließen, soll ein unterirdischer, angeblich technisch schnellerer und leistungsfähigerer Bahnhof gebaut werden (und die Mittel zur Finanzierung wichtigerer Bahnprojekte fehlen dadurch!). Für wen? Wer weiß denn, wie sich die Zukunft der Bundesrepublik entwickelt? Das männliche Denken kann gigantische, großartige Konstruktionen entwickeln, aber den Sinn für organische Lebensvorgänge hat eben die Frau. Der Mann hat mehr Verstand als Vernunft. Was wir wirklich brauchen, ist ein Bildungs-Bahnhof, gebaut aus Bewusstseinssteinen von Menschen, die die Verantwortung tragen für eine schöpferische, ganzheitliche, soziale Sinneserziehung und Bildung unserer Kleinkinder, Schulkinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen, um diese neuen Generationen fähig zu machen, diese technisch einseitige erstarrte Welt lebensvoll weiterzuentwickeln. So rufe ich allen Frauen zu, lassen Sie Ihr Gefühl für Sinnhaftigkeit am 27. November walten.

Leserbriefe

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Manfred Reichle, Nürtingen. Zum Artikel „Kompromisse für den Schillerplatz“ vom 8. November. Dass nun ein Baum weniger gefällt werden soll als ursprünglich geplant, ist ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Nun sind zwei Bäume so krank, dass man sie fällen muss – (ein Schelm, wer Böses…

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