Leserbriefe

Die Ungerechtigkeit im Land beseitigen

14.09.2017, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hellmut Kuby, Nürtingen. Am 24. September ist Bundestagswahl. Wählen ist, wie das der scheidende Bundestagspräsident Norbert Lammert gesagt hat, das Königsrecht der Bürger. Der Rückgang der Wahlbeteiligung von 86 bis 91 Prozent in der Jahren 1953 bis 1987 auf 71,5 Prozent im Jahr 2013 zeigt meines Erachtens, dass heute viele nicht wissen, wie es ist, wenn man nicht (frei!) wählen darf. Darf, nicht muss. Muss man angesichts dieser Entwicklung über eine Wahlpflicht nachdenken? Gibt es einen grundsätzlichen Unterschied zur Schul- und anders zum Beispiel Steuerpflicht?

Wählen ist die Entscheidung zwischen mehreren Möglichkeiten. Die sich unterscheiden. In Belangen, die mir wichtig sind. Dies herauszufinden ist nicht immer einfach. Mein Hauptanliegen ist die Beseitigung oder Verringerung der Ungerechtigkeit in der Welt, auch in der BRD. Ein Beispiel, was für mich ungerecht ist: Ein Ehepaar hat vier Kinder. Drei von ihnen bekommen je 100 Euro (Taschengeld), das vierte aber nur 60. Dafür gibt es keine Begründung. Das heißt doch: nicht nur der oder die Benachteiligte muss um Gleichbehandlung kämpfen, sondern auch und zuallererst die drei Geschwister. Ist diese Ungerechtigkeitssituation etwas Vergangenes oder ein Märchen? Nein, sie ist Realität bei uns, wenn zum Beispiel für die gleiche Arbeit ungleiche Löhne bezahlt werden: Es trifft Leiharbeiter und Frauen. Ich fühle mich als einer der drei, die 100 Euro bekommen und verlange Gerechtigkeit oder Gleichbehandlung für die Schwachen, deren Stimme man nicht hören will, die keine Lobby haben.

Was höre ich dazu: „So ist’s halt, sind ja nur wenige, die Wirtschaft muss blühen. Die sollen doch froh sein, dass sie nicht mehr arbeitslos sind, dank Merkel, die die Arbeitslosigkeit von 4,5 aus 2,5 Millionen gesenkt hat.“ Es steht für mich außer Frage, dass die Politik diese Ungerechtigkeiten ändern könnte, ohne dass die Mehrheit der Bevölkerung darunter leiden würde. Die Einschränkung „im Schnitt“ in Volker Kauders Satz beweist das. „Es gibt kein Land in der Welt, in dem es den Menschen im Schnitt so gut geht wie in Deutschland.“ Ich bin überzeugt, dass Kauder recht hat, aber auch dass die Mehrheit der Deutschen, denen es subjektiv so gut geht, keine Egoisten sind. Wer weiß schon von prekären Lebensverhältnissen, beispielsweise von pflegenden Menschen? Für sie heißt Gerechtigkeit nicht Reichtum, sondern ein Leben ohne materielle Not, Ich bin nicht blauäugig: Deshalb weiß ich auch, dass es (auch) Menschen gibt, deren einziges Ziel grenzenloser Gewinn ist – auch auf Kosten anderer.

Leserbriefe

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