Leserbriefe

Die Stimme erheben: Nürtingen ist bunt

20.01.2017, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Reinmar Wipper, Nürtingen. Mit zwölf Jahren habe ich (Jahrgang 1944) im Gymnasium Nürtingen zum ersten Mal etwas von der Nazidiktatur gehört. ZuhHause habe ich die Mutter bedrängt: Wo warst du damals, was hast du getan, gehörtest du auch dazu? Da weinte sie still vor sich hin und sagte, du verstehst das nicht. Danach war das nie mehr ein Thema. Auch nicht beim Vater, der als Beamter in Linz zwangsverpflichtet worden war, ausgemergelte Leichen im nahen Vernichtungslager Mauthausen in Kalksäcke zu stopfen, damit man sie vor den anrückenden Russen und Amerikanern verstecken konnte.

1958 hat mich mein Pfarrer in den katholischen Jugendbund Neudeutschland geholt, der zwischen 1933 und 1945 in Untergrund und Widerstand gegangen war. Unsere Bubengruppe, die ich als junger Kerle leiten sollte, hat sich nach Willi Graf benannt, auch ein „NDler“, und Weggefährte von Sophie Scholl. Graf wurde am 12. Oktober 1943 in München gehenkt, acht Monate nachdem Hans und Sophie Scholl geköpft worden waren. Zum Prozess gegen die „Weiße Rose“ war eigens das größte Dreckschwein der Nazi-Justiz aus Berlin angereist: Roland Freisler, der zwei Jahre später in Berlin von einer amerikanischen Bombe ins Jenseits befördert worden ist.

Und nun muss man im Internet ein Plakat der AfD sehen: „Nichts ist einem Kulturvolk unwürdiger, als sich ohne Widerstand von einer verantwortungslosen und dunklen Trieben ergebenen Herrscherclique regieren zu lassen.“ Daneben das Porträt der zitierten Sophie Scholl, und darunter die zynische Behauptung „Sophie Scholl würde AfD wählen“.

Die Demagogen, die sich derart an der Würde von Naziopfern vergehen, halten am kommenden Wochenende in Nürtingen einen Parteitag ab. Wer dagegen seine Stimme erheben möchte, kann sich den demokratischen Gegen-Aktionen anschließen, die von der aktuell gegründeten Gruppe „Nürtingen ist bunt“ geplant sind. Und gespannt bin ich, wie unsere Geschwister-Scholl-Realschule samt Schulträger Stadt Nürtingen zu diesem geschichtsvergessenen Skandal Stellung nehmen.

Leserbriefe

Friedens-Nobelpreis gegen Atombomben

Peter Främke, Neckartailfingen. Zum Artikel „Der Appell“ vom 7. Oktober. Es kommt selten vor, dass ein Kommentar von Wolfgang Molitor in der Nürtinger Zeitung Zustimmung finden kann, aber diesmal hat er mit Recht den Friedensnobelpreis gelobt, den die „Internationale Kampagne zur Abschaffung von…

Weiterlesen

Weitere Leserbriefe Alle Leserbriefe