Leserbriefe

Die Sanktionen haben uns mehr geschadet

06.10.2017, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Gerhard Mayer, NT-Oberensingen. Zum Kommentar „Unüberriechbar“ vom 20. September. Den Ausführungen kann ich nicht folgen. Zweifellos ist Präsident Putin kein Musterdemokrat, aber wir sollten nicht so selbstgerecht sein. In seiner auf Deutsch gehaltenen Rede am 25. September 2001 hat Putin uns und dem Westen die Hand hingehalten. Leider ohne Erfolg. Dies konnten die USA auf keinen Fall brauchen. Eine Riesenmilitärmaschinerie ohne Feind, wie soll man das den Menschen erklären? Dann hat der Westen seine Zusage bei der deutschen Wiedervereinigung, die NATO nicht nach Osten auszuweiten, nicht eingehalten.

In einer falsch verstandenen transatlantischen Freundschaft wurde auch von uns die angebotene Freundschaft ausgeschlagen und mitgeholfen, Russland als Lieblingsfeind aufzubauen. Heute wird das mit der Krim-Annexion begründet. Die Krim gehörte bis 1954 zur russischen Oblast und wurde da erst der Ukraine zugeschlagen. Heute versuchen wir mit Sanktionen Russland zu beeindrucken, Deutschland führt sogar die Sanktionsfürsprecher an. Hat eine Wirtschaftssanktion schon jemals eine Großmacht zum Umdenken veranlasst?

Die jetzigen Sanktionen haben der deutschen Industrie und Landwirtschaft mehr geschadet als Russland. Zudem hat es die Stellung Putins als starken Präsidenten mehr geholfen als geschadet. Außerdem wird das Wettrüsten in Europa durch diese unsinnigen Sanktionen angefacht, wo bleibt da der Erfolg?

Ganz vergessen wir, dass wir von russischen Energielieferungen abhängig sind. Da kann es nur hilfreich sein, wenn ein Deutscher im Aufsichtsrat sitzt. Es wäre dringend an der Zeit, dass Deutschland und die EU ihr Verhältnis zu Russland nicht nach den transatlantischen Rüstungsscharfmachern ausrichten, sondern nach neuen Wegen suchen, um in Europa, zu dem auch Russland gehört, ein friedliches Nebeneinander zu ermöglichen.

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