Leserbriefe

Die Resolution hat anderen Wortlaut

11.08.2018, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Manuel Werner, Nürtingen. Zum Artikel „Boris Palmer: Ich weiche nicht zurück“ vom 2. August und zum Leserbrief „Boris Palmer ist für mich ein Vorbild“ vom 6. August. Schon der Artikel im Mantelteil verbreitete zum Thema Tübinger Gemeinderatsresolution gegen Äußerungen Boris Palmers die im Leserbrief aufgegriffene falsche und manipulative Darstellung, jene Resolution hätte sich dagegen gewandt, dass der Tübinger OB in Standhaftigkeit kein Blatt vor den Mund nehme, auch unbequeme Sachverhalte sage, mutig zu seinen Überzeugungen stehe oder andere Ansichten zur sogenannten Flüchtlingspolitik habe. Dies stimmt – selbstverständlich – nicht, wie jeder per Internet-Suchmaschine sekundenschnell bei den entsprechenden Artikeln des Schwäbischen Tagblatts findet, zum Beispiel den mit dem Titel „Einhellig gegen den Schwarzseher“ – auch den Journalisten des Mantelteils sollte dies nicht allzu schwerfallen.

Stattdessen stellen sie eigenen oder den Argumenten von Boris Palmer angebliche Argumente der Gemeinderats-Resolution gegenüber anstatt auf deren tatsächliche Position einzugehen. Diese unfaire Vorgehensweise nennt man in der Rhetorik Strohmann-Argumentation. Eine Berichterstattung, die fälschlicherweise so tut, als wäre die Resolution gegen manche Tugenden gerichtet, diskreditiert jene, die den Mut und die Standhaftigkeit zu der Resolution hatten – und provoziert in diesem Sinne weitergehende Leserbriefe und Fake News geradezu.

Die Tübinger Gemeinderats-Resolution, die man – auch im Internet – mühelos nachlesen kann, verdeutlicht vielmehr, dass Palmer „in keiner Weise für die Stadt“ spreche, „wenn er Menschen anderer Hautfarbe unter Generalverdacht stellt oder wenn er aus äußerlichen Merkmalen . . . Rückschlüsse auf Herkunft und Status von Menschen zieht“. Sie wendet sich gegen „Vorurteile“, die „mit dem weltoffenen Charakter“ der Stadt Tübingen „nicht vereinbar“ seien.

Die Resolution „erwartet vom Oberbürgermeister, dass er Fremdenfeindlichkeit entschieden entgegentritt statt sie zu befördern und hoffähig zu machen“. „Natürlich“, so die Resolution, „dürften Probleme nicht unter den Teppich gekehrt werden. Doch Palmer skandalisiere Einzelfälle“. Nicht zurückweichen kann eine Tugend sein, kann aber auch starrsinnig, egozentrisch, arrogant, uneinsichtig und falsch – zum Beispiel weil rassistisch, diskriminierend oder generell fremdenfeindlich – sein.

Denn es kommt darauf an, woran man festhält. Sein Vater wandte sich damals übrigens gegen Behördenwillkür, „eine nur scheinbar ins Demokratische gewendete Justiz“ und „braune Kontinuitäten“. In Wirklichkeit sind heute die Bürgermeister standhaft, die sich nicht am schäbigen generellen Schlechtmachen von Flüchtlingen beteiligen und nicht in „wir“ und „die“ spalten.

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