Leserbriefe

Die Realität sieht leider anders aus

25.11.2011, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Friedrich Röcker, Nürtingen. Zum Artikel „So sieht der neue alte Bahnhof aus“ vom 19. November. Das ist ein schönes Beispiel, wie mit einem Bild die Leser hinters Licht geführt werden. Es wäre ja verwunderlich, wenn irgendjemand einen solch schönen Bahnhof nicht wollen könnte.

Doch leider sieht die Realität anders aus. Schon die notwendigen „Einrichtungen“ wie Anzeigetafeln, Infostände, Papierkörbe und Mülleimer, die alle auf dem Bild fehlen, werden den schönen Eindruck trüben. Und die Deutsche Bahn mit ihrem verhängnisvollen Drang, jeden Quadratmeter – ob Wand- oder Grundfläche – auszumosten und in Euros umzuwandeln, wird es in kürzester Zeit schaffen, die Halle mit Werbung, Kiosken und Dirndl-Shops so zuzustellen, dass von der schönen neuen Ansicht nichts mehr übrig bleibt. Im Übrigen hat das Bild, abgesehen von den Aufzügen, nichts mit S21 zu tun. Man könnte es auch heute schon schön haben, wenn man die Halle ausräumen und mit einigen Eimern Farbe die Schönheitsreparaturen durchführen würde, sofern die Bahn das nur wollte.

Dieses Bild ist ein erneuter Versuch, mit Emotionen von den sachlichen Argumenten gegen S21 abzulenken. Ob nun mit 350 oder 1500 Millionen Euro der Ausstieg finanziert oder mit 4500 Millionen Euro das Projekt durchgezogen und uns ein gut und schön gerechneter Bahnhof mit schlechterer Qualität als bisher mit hohem Risiko gebaut wird, kann uns Steuerzahlern nicht egal sein. Und die Debatte, wie viel die Bahn, der Bund, das Land, die Region und die Stadt Stuttgart davon zu übernehmen haben, diskutiert lediglich, ob uns das Geld aus der linken oder der rechten Tasche genommen wird.

Diejenigen, die nie Bahn fahren, müssten eigentlich alle dagegen sein, nur zahlen zu müssen. Bereiten wir dem Irrsinn ein Ende, gehen wir alle am Sonntag ins Wahllokal, entscheiden wir uns für den kleinsten finanziellen Aufwand, um aus der Malaise herauszukommen und stimmen mit „Ja“ für den Ausstieg.

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