Leserbriefe

Die Nürtinger Fischtreppe

31.05.2017, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Eckhard Finckh, Nürtingen. Zum Artikel „Hotel mit Biergarten am Neckar“ vom 18. Mai. Ich machte eine Ortsbesichtigung, um die zwei Computerskizzen mit der Wirklichkeit zu vergleichen. Das Ergebnis war: so geht das wohl nicht! Das Ufer an der neu angelegten Fischtreppe – Millionen wurden investiert – mit dem Radweg, dem Geländer, dem Balkon, dem Fünf-Sterne-Postkartenblick über das Wasser zur Altstadt ist schätzungsweise der schönste Punkt Nürtingens. Vor sich hat man das sprudelnde Wasser zur Naturbeobachtung. Hinter sich hat man einen schützenden grünen Wall von Büschen und altem hohen Baumbestand. Eine Insel der Ruhe, ein Ort zum Durchatmen. Natur vor sich, Natur hinter sich. Ein Ort, den man mit vergangener Zeit in Verbindung bringen kann.

Mit den Gedichten Hölderlins, mit den Motiven des Malers Kornbeck. Der Baumbestand am Neckarufer ist aber mehr als Nostalgie. Er verbessert das Klima durch Kühle und Kohlendioxid-Abbau. Er ist ein Beispiel für Bewahrung der Artenvielfalt. Der Ort bietet das so gesuchte und gerne genannte „Alleinstellungsmerkmal“ für die Stadt. Er bietet ein einmaliges Zusammentreffen von Natur und Kultur. Sollten wir ihn nicht einfach zum baden-württembergischen Kulturerbe erklären?

Und was zeigt der Blick auf die Planskizzen? Die Bäume (Naturdenkmale?) stehen der Hotelterrasse und dem zum Fluss vorgeschobenen Baukörper im Weg. Sie werden gnadenlos geopfert werden. Eine riesige Baugrube mit zugehörigem Baufeld wird Tabula rasa machen und eine Steinlandschaft ohne architektonische Besonderheit hervorbringen. Dazu ein gestörtes Mikroklima. Die Luft von der an Abgasen reichen Bundesstraße 313 wird herüberwehen.

Doch zurück zum kostbaren und atmosphärischen Ufer: das östliche Ende der Terrasse reicht bis auf zwei Meter an den Rad- und Fußweg. Was ist noch öffentlicher Raum und Allgemeingut? Wo beginnt das Grundstück für die private Nutzung und Vermarktung? Wo ist der Platz für das Wohl der Bürger und für den Stolz der Stadt? Kann eine Schulklasse bei einer Exkursion zur Fischtreppe auf die Sitzstufen des Hotels sitzen zum Vespern, oder werden die Kinder weg gescheucht wegen der zahlenden Gäste? Auf jeden Fall ist ein Engpass für Wanderer und Radler-Gruppen vorgeplant.

Es lohnt sich, für die weiteren Beratungen bei Stadt und Gemeinderat viele Fragen zu stellen, ökologische, ästhetische, Fragen der nachhaltigen Stadtentwicklung. Und vorher sollte man vom gegenüber liegenden Neckarufer bei der Brücke in Richtung Fischtreppe schauen und sich die furchtbare Narbe vorstellen, die durch Beseitigung eines Teils der Ufervegetation entstehen wird.

Leserbriefe

Wir brauchen Parteien, die Mut machen

Patrik Müller, Beuren. Zum Artikel „Die DNA der früheren CDU“ vom 15. September. Frau Kosova kann man zu ihrer gelungenen Integration in Deutschland nur gratulieren. Ich kann allerdings überhaupt nicht nachvollziehen, wie sich eine aus Usbekistan stammende Frau mit jüdischen Wurzeln, die in…

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