Leserbriefe

Die Kunst und die Kinder

26.01.2010, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Angela Tuchscherer, Nürtingen. Mit den Augen der Kinder betrachteten wir neulich die beseelende Chagall-Ausstellung in der dafür bestens geeigneten Kreuzkirche. Wir sind die Schüler der Klasse 2a der Grundschule in Reudern mit ihrer Klassenlehrerin Frau Kiefer-Blum nebst einer Handvoll begleitender Mütter. Birgit Wiesenhütter begann in der oberen Etage beim ersten Bilderzyklus Marc Chagalls („Mein Leben“) mit ihrer gut auf Kinder zugeschnittenen Führung. Kurz und anschaulich brachte sie ihnen die Technik der Radierung nahe und versäumte nicht auf die Bildmotive aufmerksam zu machen, die in des Künstlers Leben von existentieller Bedeutung waren – wie Vater und Mutter in ihrer Lebens- und Arbeitswelt, Religion und Heimat oft mit Elementen aus seiner Kindheit. „Chagall malte nach seinen Gefühlen und das, was für ihn wichtig war“, meinte sie.

Vorbei am nächsten Bilderzyklus „Fabeln“ und ihrer kurzen Inhaltsangabe zum Bild „Der Adler und der Hase“ verweilten wir gemeinsam noch am Bibel-Zyklus mit Bildern von Geschichten aus dem Alten Testament. Hier erläuterte Frau Wiesenhütter den Kindern noch weitere Maltechniken wie die Lithografie.

Angekommen beim Zyklus „Arabische Nächte“ mit den phantastischen Bildern zu Märchen aus Tausendundeiner Nacht träumten wir uns hier unmittelbar in die Märchen hinein. Spätestens hier begeistern Chagalls einzigartige Form- und Farbkompositionen durch die Wirkung der Komplementärfarben.

Über die erste Etage und nochmals kurzes Verweilen am Zyklus zum Alten Testament wurden wir Betrachter auf das interessante „Chagall-Blau“ aufmerksam gemacht, das vielen Bildern eine deutliche Atmosphäre verleiht und sozusagen „Himmel und Erde“ verbindet, wie der Untertitel der Ausstellung verrät. Den Abschluss dieser sehr schülerfreundlichen Führung bildete „Die Löwendressur“ aus dem Zyklus „Zirkus“, der wohl alle Kinder besonders ansprach und Freude auslöste. Wichtig ist es mir, hier zu erwähnen, wie gut sich Kunst in den Rahmen der schulischen Bildung integrieren lässt und neue Wege außerhalb des herkömmlichen Schulalltages beschritten werden. Durch anschließende Projektarbeit gelingt es den Kindern, die entsprechenden Themen aus der Ausstellung im Klassenzimmer zu verarbeiten und dann auch in die Tat umzusetzen. Wirklich nachahmenswert finde ich, den Unterricht teilweise nach draußen zu verlegen und dort auch auf andere Gebiete auszudehnen.

Vielen Dank hier an die Schulleitung und Klassenlehrerin, dass unseren Kindern damit etwas ganz Wertvolles neben den üblichen Sachthemen vermittelt werden konnte – Wecken vieler guter Gefühle und Anregen der Fantasie. Denn es geht in Chagalls Werk doch um viel Liebe, viel Gefühl, Heimat und Religion. Bestimmt werden dann die Träume unserer Kinder noch öfter Wirklichkeit. Lasst uns die Tage doch öfter mit den Augen der Kinder betrachten!

Leserbriefe

Gambia ist kein sicheres Herkunftsland

Sem Schade, Wendlingen. Zum Leserbrief „Einwanderer aus Afrika und Migrationspaket“ vom 6. Dezember. Herr Hummel hat das Gefühl, angelogen zu werden und ich würde hierfür gerne ein paar Anstöße setzen, da ich mich intensiv mit der politischen Lage in Gambia auseinandergesetzt habe.

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