Leserbriefe

Die Johanneskirche und die Spenden

27.08.2016, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Viktor Ziegler, Wendlingen. Zum Leserbrief „Abriss hinterlässt Unfrieden und Scherben“ vom 13. August. Von der Kirchenleitung der fusionierten Evangelischen Kirchengemeinde Wendlingen am Neckar wird uns immer wieder gesagt, dass die Gemeinde unmöglich die Betriebskosten für zwei Kirchen stemmen könne. Die Johanneskirche wird dem Verfall preisgegeben. Deshalb lohnt es sich, einen Blick in die Vergangenheit zu tun.

Als die Johanneskirche anfangs der 60er-Jahre gebaut wurde, machten die Vertrauensfrauen der ehemaligen Evangelischen Kirchengemeinde Unterboihingen unzählige Gänge von Haus zu Haus und sammelten geduldig und unermüdlich zahlreiche Spenden. Die Gemeindeglieder brachten große Opfer und setzten sich in hohem Maße für ihre Kirche ein. Als das neue Bauwerk im Frühjahr 1964 eingeweiht wurde, war es schuldenfrei.

Die nächste Spendensammelaktion war für den Guss zweier neuer, größerer Glocken bestimmt. Die zwei kleineren stammen von der abgerissenen Otto-Kirche. Die gesamte Läuteeinrichtung kostete damals circa 38 000 Mark. Ein großer Teil dieses Betrags kam ebenfalls durch Spenden zusammen.

Einige Jahre später wurde die kostbare Bornefeld-Orgel, ein Schmuckstück für das neue Kirchengebäude, installiert. Das Instrument kostete annähernd 100 000 Mark, was für die Gemeinde Unterboihingen eine gewaltige finanzielle Belastung war, da es von keiner Seite Zuschüsse gab. Die Gemeinde musste die gesamte Summe selbst aufbringen. Aber auch dafür standen reichlich Spendengelder zur Verfügung.

Danach ging es Schlag auf Schlag weiter: Die Südseite des Gotteshauses bekam neue, künstlerisch gestaltete Fenster, deren Motive einigen Worten aus dem Johannesevangelium nachempfunden sind. Anschließend wurde das Schieferdach mit wesentlich härteren Platten erneuert, da die alten Schieferplatten zu weich waren und ihnen strenger Frost schadete. Zum Schluss wurde die Westwand der Kirche vom wilden Wein gesäubert und neu eingefugt. Viele freiwillige Helfer standen auf dem Gerüst und gaben ihr Bestes.

Ich glaube, man muss weit laufen um herauszufinden, ob es eine zweite Gemeinde gibt, die in den letzten knapp 50 Jahren bereit war, so große Opfer für ihre Kirche zu bringen, sich in so hohem Maße zu engagieren und so viel zu spenden. Ganz sicher werden die ehemaligen Unterboihinger Gemeindeglieder die Johanneskirche nicht dem Zerfall preisgeben.

Leserbriefe

Flüchtlinge heute und Vertriebene damals

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