Leserbriefe

Die Johanneskirche, Schafe und der Hirte

13.08.2015, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Horst Matt, Wendlingen. Zum Artikel „Die Weichen sind nun gestellt“ vom 8. August. Schafe sind geduldig und fromm, lammfromm, sie vertrauen ihrem Hirten und folgen ihm nach, ganz gleich wohin er sie führt. Dafür werden sie geschoren und sogar geschlachtet, nur wenn der Wolf kommt, rennen sie in alle Richtungen auseinander. Der gute Hirte verteidigt seine Herde, sagte Christus, die anderen Hirten fliehen vor ihrer Verantwortung und lassen die Schafe schutzlos zurück.

So ergeht es heute den Unterboihinger evangelischen Schafen. Nicht nur, dass ihnen ihr Gotteshaus genommen werden soll, nein, es wird auch noch zur profanen Geldquelle degradiert, ganz im Gegensatz zu den Versprechungen vor der geforderten Vereinigung mit der Wendlinger Kirchengemeinde. Damals wurde fest und heilig versprochen, dass Kirchen nicht verkauft würden, heute finden es die Zuständigen als ganz normal, eine Kirche ersatzlos verschwinden zu lassen. Wie viel Geld hat uns die Johanneskirche gekostet und wie viel Geld verschlingt der Architektenwettbewerb, bei dem im Vorhinein feststeht, wie das Ergebnis lauten wird, nämlich dass die Kirche unter allen Umständen abgerissen werden muss, um Platz für ein Behindertenheim mitten in der Stadt zu schaffen, nur um damit Geld verdienen zu können, das schon im zukünftigen Haushaltsplan der „Wendlinger“ evangelischen Kirchengemeinde verplant wird

Es war nicht einmal möglich, einen Namen für die zusammengelegte gemeinsame Kirchengemeinde zu finden, der wenigstens angedeutet hätte, dass es Unterboihingen und die Unterboihinger Johanneskirche noch gibt. Manche erachten es sogar für nicht nötig, dort einen Gottesdienst zu besuchen, weil die Kirche ja doch abgerissen wird. Andere bemühen sich nach Kräften, möglichst keine Veranstaltungen mehr in dieser Kirche zu planen, nicht einmal mehr eine Konfirmation.

Und wie viel Geld werden uns die geplanten Neubauten kosten? Wie viel der Abriss? Dafür wird die „Wendlinger“ Kirchengemeinde viele Jahre lang große Geldsummen aufbringen müssen, die noch zu erwirtschaften sein werden! Inzwischen sind die verratenen Schafe in viele Richtungen auseinandergegangen: sie sind aus der Kirche ausgetreten und ersparen sich dadurch die Kirchensteuer, was nicht einmal die Kirchenoberen stört, oder sie gehen nicht mehr zur Kirche, weil ihnen das dort gesagte nichts mehr sagt, oder sie suchen eine andere Kirche oder Glaubensgemeinschaft auf, um den Abrissfreunden in Wendlingen nicht begegnen zu müssen, denen, die den Gemeindegliedern empfehlen, den Gottesdienst zu Hause im Fernsehen anzuschauen, weil dies einer „Gemeinde“ sehr von Diensten ist!

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