Leserbriefe

Die Jagd und die Fuchspopulation

17.01.2011, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Dag Frommhold, Neuffen. Zum Artikel „Füchse drängen in die Wohngebiete“ vom 11. Januar. Der Artikel suggeriert, man könne oder müsse Füchse mit jagdlichen Mitteln „kurzhalten“. Dabei wird übersehen, dass auch intensivste Bejagung keinen nachhaltigen Einfluss auf die Fuchspopulation besitzt. Dies liegt in der Anpassungsfähigkeit und der flexiblen Sozialstruktur des Fuchses begründet: Kommen viele Füchse ums Leben, steigt die Geburtenrate an; selbst hohe Verluste können so binnen Jahresfrist wieder ausgeglichen werden.

Lässt man Füchse dagegen einfach in Ruhe, hat dies keinesfalls einen explosionsartigen Anstieg der Fuchsdichte zur Folge, weil soziale Regulationsmechanismen die Geburtenrate begrenzen. „Geburtenbeschränkung statt Massenelend“ beschrieb einst der als Fuchs-Experte geltende Biologe Erik Zimen dieses Phänomen.

Dass Ökologie, Wildseuchen oder gar der Wunsch nach Pelzwerk das Gros der Jäger zur Fuchsjagd treibt, darf indes getrost als Jägerlatein abgetan werden. Ein Blick in die gängigen Jagdforen im Internet oder die großen deutschen Jagdzeitschriften, in denen Jäger wortreich von ihren Abschusserlebnissen berichten oder stolz auf Fotos mit ihrer erschossenen Beute posieren, genügt, um zu erkennen, dass es in Wirklichkeit vor allem um die Lust am Jagen und Töten von Wildtieren geht.

Dazu passen auch die sogenannten „Fuchswochen“, die derzeit vielerorts veranstaltet werden: Auf dem Gebiet mehrerer Jagdreviere werden dabei alle erreichbaren Füchse getötet. Oft werden so innerhalb einer Woche Dutzende Füchse erschossen, die dann zum größten Teil in Tierkörperbeseitigungsanlagen entsorgt werden. Kritische Jäger sprechen bereits vom Fuchs als „Wegwerfartikel Nummer eins“ in unseren Wäldern.

Derzeit darf Reineke in den meisten Bundesländern fast ganzjährig bejagt werden – besonders umstrittene Jagdarten wie die Fallen- oder die Baujagd sind dabei gang und gäbe. Als das Saarland letztes Jahr wagte, Füchsen zumindest eine sechsmonatige Schonzeit zu gewähren, schossen Jagdfunktionäre scharf; die verantwortlichen Politiker bedachte man mit übelster Schmähkritik. Wenn es um Meister Reineke geht, kennen die Jagdverbände kein Pardon.

Es wird also ganz offensichtlich höchste Zeit, dass wir den Fuchs, einen intelligenten und sehr sozialen Beutegreifer, endlich vor jägerischer Willkür schützen. Ein Zusammenschluss von derzeit 29 deutschen Tier- und Naturschutzorganisationen hat daher zu Beginn des Jahres eine gemeinsame Kampagne für die Einführung einer mindestens neunmonatigen Schonzeit für Füchse gestartet (siehe www.schonzeit-fuer-fuechse.de). Es ist zu hoffen, dass dieses Ansinnen Erfolg haben wird.

Leserbriefe

Überhört Herr Grabitz kritische Stimmen?

Kai Hansen, Nürtingen. Zum Artikel „EU droht Milliardenklage wegen Pflanzenschutzmittels“ vom 11. November. Der Journalist Markus Grabitz gewährt dem weltgrößten Glyphosat-Hersteller Monsanto auf Seite eins der Wochenendausgabe der Nürtinger Zeitung eine prominente Bühne und betreibt zudem deren…

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