Leserbriefe

Die haben den kleinen Mann nicht im Blick

15.09.2017, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Eberhard Ellwanger, NT-Reudern. Momentan kann man in der Fußgängerzone zwischen diversen Ständen flanieren. Mit mehr oder weniger glücklich gewählten Parolen versuchen die Parteien, sich voneinander abzugrenzen. Am Stand mit den blauen Plakaten war unter anderem der Satz zu lesen: „Mut zur Wahrheit“. Soso. Aha. Super, dachte ich – kann ich doch ab jetzt davon ausgehen, dass diese Partei nicht mehr mit substanzlosen Behauptungen und Faktenfragmenten auf die Bevölkerung losgeht. Es wird jetzt bestimmt künftig ein Sachverhalt zuerst mal geprüft, bevor nur der Teil rausposaunt wird, der die Wählerklientel dieser Partei bedient. Sicher werden Politiker(innen) dieser Partei jetzt nicht mehr ständig provozieren, um anschließend beleidigt zu sein, wenn sie auch ihr Fett wegkriegen – das hat nämlich mit Mut zur Wahrheit nichts zu tun.

Oder hab ich das mit der Wahrheit falsch verstanden? Deutlicher ausgedrückt: alternative Politiker zu wählen, weil man mit anderen nicht einverstanden ist, ist zu kurz gedacht, denn wer eine Biersorte nicht mag, trinkt deshalb noch lange nicht aus der Kloschüssel. Alles klar?

Vorschlag: diese Partei möge erst mal an sich, an Abgrenzung von Rechtspopulismus und an ihren Inhalten arbeiten, bevor sie in den Bundestag einzieht. Ich zitiere aus deren offiziellem Strategiepapier (für jeden online einsehbar): „Bei den . . . bislang für Wahlerfolge nicht erforderlichen Themen (das gilt insbesondere für die Wirtschafts- und Sozialpolitik) muss sehr sorgfältig darauf geachtet werden, dass sich die Anhängerschaft nicht auseinanderdividiert.“ Und: „Es geht nicht darum, zu den . . . Themen differenzierte Ausarbeitungen . . .  vorzulegen und zu verbreiten, die die Wähler überfordern.“

Mir ist einerseits die Sorge vieler Leute bewusst, weil es schräge Gestalten und Missstände in den gesetzten Parteien gibt und ich widerspreche da nicht. Das ist aber andererseits kein Grund, bei den alternativen Wahlmöglichkeiten nur deren Überschriften zu lesen, ihre Provokationen toll zu finden und dann zu wählen. Ich lade ein, einen Schritt weiterzudenken und genau zu schauen, wen diese Partei tatsächlich unterstützen will, außer sich selbst. Denn den sogenannten „kleinen Mann“ hat diese Partei nicht im Geringsten im Blick!

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