Leserbriefe

Die Gesinnung der Deutsch-Türken

06.08.2016, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Lydia Hofstadt, Erkenbrechtsweiler. Zum Artikel „Kauder fordert Loyalität von Deutsch-Türken“ vom 2. August. Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde, Sofuoglu, kritisiert wieder einmal, dass den Deutsch-Türken die Leistungen beim wirtschaftlichen Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg nicht genügend anerkannt würden und er führt die wachsende Zustimmung zu der Politik Erdogans auf das Versagen des deutschen Staates zurück.

Das ist eine ungeheuerliche Aussage. Dazu muss man wissen, dass das Anwerbeabkommen im Oktober 1961 auf Druck der Türkei zustande kam, in der Hoffnung, die eigenen wirtschaftlichen Verhältnisse, die eigenen sozialen Probleme durch das enorme Bevölkerungswachstum und die heimische Arbeitslosigkeit zu reduzieren. Unsere damalige Regierung sowie die Gewerkschaften waren gegen dieses Abkommen mit der Türkei, man hatte ja bereits mit den an Deutschland angrenzenden Ländern solche Abkommen geschlossen. Es war vorgesehen, dass die türkischen Gastarbeiter nach einer gewissen Zeit wieder in ihr Land zurückkehren würden, jedoch setzte 1970 der Familiennachzug ein. Da machte sich Angst in der Bevölkerung vor sozialen Konflikten breit, deshalb folgte im November der Anwerbestopp und man bot Anreize für die Rückkehr in Form von 10 500 Mark Überbrückungsgeld und Rückzahlung der Rentenversicherungsbeiträge.

Nur wenige nahmen das Angebot wahr. Als 1975 die Kindergeldsätze für die im Ausland lebenden Kinder um die Hälfte gekürzt wurden, setzte erneut ein Anstieg des Familiennachzugs ein. Klarstellung: Wir müssen keinesfalls diese Leistungen anerkennen wie Herr Sofuoglu fordert, vielmehr müssen uns diese Leute dankbar sein, dass wir sie in unserem Land aufgenommen, sie bei uns Arbeit bekommen haben und hier leben dürfen.

In dem Artikel vom 3. August sagte Herr Krishnan, Bundesvorsitzender des RCDS, dass manche Flüchtlinge keine Demut vor diesem Deutschland mit seiner großartigen Demokratie und seinem Rechtsstaat hätten, dieses gilt auch gleichermaßen für die türkischen Zuwanderer. Es hätte niemals die doppelte Staatsbürgerschaft eingeführt werden dürfen, denn man kann nicht zwei Herren dienen. Die Demonstration in Köln für Erdogan hat deutlich die Gesinnung der Deutsch-Türken gezeigt und was wir in Zukunft noch zu erwarten haben. Ich hätte mir gewünscht, dass mehr unserer Politiker sich Herrn Spahn und seinem Ausspruch angeschlossen hätten – unser Präsident heißt Gauck und nicht Erdogan.

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