Leserbriefe

Die Flüchtlinge und die EU

24.12.2015, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Emil Neuscheler, Neckartailfingen. Die Bewährungsprobe steht noch aus: Für Frieden, Versöhnung und Demokratie gab es 2012 den Friedensnobelpreis für die Europäische Union. Davon ist nicht mehr viel übrig geblieben. Drei Jahre nach dieser Ehrung spaltet die Flüchtlingskrise die EU.

Parlamentspräsident Martin Schulz beklagt den besorgniserregenden Zustand der Staatengemeinschaft, denn die Rationalisierung der Länder ist in vollem Gange. Die Wahlen in Frankreich bestätigen diesen Trend aufs Neue. Beschleunigt wird diese Welle durch den anbrandenden Flüchtlingsstrom aus dem Süden. Die so oft beschworene europäische Solidarität ist noch nie so massiv missbraucht worden wie gerade jetzt. Die gerechte Umverteilung der Flüchtlinge auf alle europäischen Staaten wird durch kleinkarierten Egoismus unterlaufen. Durch die Klage der Slowakei gegen die Umverteilung der Migranten, steht die Lösung der Flüchtlingskrise erneut auf der Kippe.

Deutschland hat inzwischen die Million bereits überschritten und es werden noch viel, viel mehr werden. Man ist gerne Europäer, wenn es etwas zu holen gibt – und zwar für Polen mit 13, Rumänien mit vier, für Tschechien drei Milliarden jährlich. Aber dennoch lehnen diese Staaten die Aufnahme von Flüchtlingen strikt ab.

Die Nationalstaaterei feiert fröhliche Auferstehung. Die Initiatoren der EU haben mit dieser Entwicklung nicht gerechnet, denn sie waren am Anfang für ein Gebilde der zwei Geschwindigkeiten. Man hätte gut daran getan, wenn man ihnen gefolgt wäre.

Die Erweiterung um eine Stufe wäre noch erfolgreicher gewesen – und zwar in Avantspitze, Mittelfeld und Nachhut. Die verschiedenen Mentalitäten und Wirtschaftsformen wären leichter zu beherrschen gewesen. Der Westen ist eine Insel der Freiheit und Rechtsstaatlichkeit inmitten einer turbulenten Welt. Gerade dieser Zustand missfällt dem internationalen Terrorismus, deshalb werden wir auch weiterhin im Fadenkreuz dieser Geißel der Neuzeit stehen. Siehe Paris.

Erhöhte Wachsamkeit ohne Hysterie ist das Gebot der Stunde. Ein Geschenk der EU wollen wir nicht vergessen, es ist der Friede in Europa. Statt Erbfeind Boche bestehen jetzt freundschaftliche Bande links und rechts des Rheins.

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