Leserbriefe

Die Entscheidung ist skandalös

10.06.2011, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Peter Brodbeck, Nürtingen. Zum Artikel „Ratsmehrheit gegen Bürgerbeteiligung“ vom 9. Juni. Geht’s noch? Der Gemeinderat will keine Bürgerbeteiligung beim Thema „Großer Forst“. Ich bin entsetzt! Die Ereignisse rund um Projekte wie den Großen Forst und Stuttgart 21 zeigen doch deutlich, dass die Bürger bei solchen Entscheidungen heute beteiligt werden wollen. In einer immer besser gebildeten Gesellschaft mit genug Zeit, um sich mit solchen Themen zu beschäftigen, müssen alle staatlichen Strukturen damit rechnen, dass sich Bürger einmischen und ernst genommen werden wollen, und zwar auf Dauer. Dieses Recht haben die Bürger und werden es, bestimmt auch in diesem Fall, deutlich vernehmbar einfordern. Dass die Sachlichkeit dabei oft auf der Strecke bleibt, ist sicher nicht hilfreich.

Dass die Beschlussfassung, wie sie am Dienstag stattgefunden hat, legitimiert und rechtskräftig ist, steht außer Frage. Dies zeigt aber nur, wie überholt diese Abläufe sind und wie dringend sie reformiert werden müssen. Freilich: Niemand weiß, wie gute Bürgerbeteiligung wirklich funktioniert. Wie erreicht man eine effiziente, repräsentative und zielführende Beteiligung der Bürger, die auch Randbedingungen wie zum Beispiel Kosten und Machbarkeit verständlich und auf Augenhöhe erklärt? Wie kann man auf die unerschöpfliche Sachkenntnis der kollektiven Bürgerschaft zurückgreifen? Dies sind zentrale gesellschaftliche Fragen, mit deren Beantwortung wir uns alle in diesem Jahrzehnt auseinandersetzen müssen. Bürgerentscheide, Befragungen, Moderationen, Runde Tische und Internetforen sind sicher Bausteine, die in einem künftigen Entscheidungsprozess eine Rolle spielen müssen. Allein sind sie sicher nicht der Weisheit letzter Schluss. Daher macht es sich der Gemeinderat viel zu einfach, indem er den Schwarzen Peter der Verwaltung zurückgibt. Auch die Verwaltung verschiebt schwierige Aufgaben allzu gerne auf externe Berater. Und wenn schon über Honorare im fünfstelligen Bereich beraten werden soll, dann sollte dem Gremium doch wenigstens nicht vorenthalten werden, was genau dafür zu erwarten wäre. – Was also tun? Ein schlichtes „Nein“ zur Bürgerbeteiligung ist inakzeptabel und skandalös! Nehmen wir die Herausforderung an. Geben wir alle gemeinsam unser Bestes. Nürtingen ist weit über seine Grenzen hinaus für zukunftsweisende Ideen bekannt. Wir haben alle Kompetenzen vor Ort. Nutzen wir sie!

Leserbriefe

Verkehrsprobleme werden nicht gelöst

Raimund Popp, Nürtingen. Zum Artikel „Der Sieger kommt aus der Schweiz“ vom 20. September. Bevor die Umsetzung der Bahnstadt beginnt, muss der Kreuzungsknoten beim Amtsgericht nachweislich gelöst werden. Eine kleine Übersicht zum Plan der Bahnstadt: alle östlichen Häuser direkt an den…

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