Leserbriefe

Die Entscheidung Gott überlassen

04.01.2018, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Eberhard Ellwanger, NT-Reudern. Zum Leserbrief „Wird Kirche zum Zeitgeist-Spielball?“ vom 28. Dezember. Das Thema „Ehe für alle“ und meine Stellungnahmen mögen inzwischen einige Leserinnen ermüden. Ich versuche eine persönliche Zusammenfassung. Doch zuerst möchte ich auf die gewagte These von Klaus Frank eingehen, dass Homosexualität ein Ergebnis fehlentwickelter Erziehung sei. Sarkastisch frage ich zurück, was wohl in Herrn Franks Erziehung schiefgelaufen ist und ob er diesen simpel gestrickten Unsinn einer achtköpfigen Familie gegenüber wiederholen würde, in der ein Sohn schwul ist. Warum hat Herr Frank dies nötig? Was hat er der Wissenschaft voraus, dass er zu diesem Ergebnis kommt?

Er und andere Mitstreiter verkünden gerne prophetenhaft, dass sie allein Gottes Willen vertreten, wenn sie die Ehe für alle zum Beispiel als sündig oder gotteslästerlich abstempeln. Der Leserbriefschreiber teilt munter ein, wer sich an die Bibel hält und wer nicht. Er unterstellt, dass studierte Theologen, die sich jahrzehntelang akribisch mit der Bibel auseinandersetzen, völlig danebenliegen. Mit Bibelzitaten um sich zu werfen hilft nicht weiter. Schon die Jünger Jesu waren eifrig im Streit um Gottes Wort.

Auch heute diskutieren alle mit dem Glauben beschäftigten Menschen – bis hin zu studierten Professoren – über Gottes Willen und kommen doch immer zu verschiedenen Ergebnissen. Es hat daher nichts mit Beliebigkeit oder Mainstream zu tun, wenn Kirchen und Theologen zu anderen Ergebnissen kommen als diverse selbsternannte Glaubenshüter!

Das Gehirn wurde uns nun mal nicht nur zum Auswendiglernen oder Nachplappern gegeben. Ich erinnere uns kleine Menschlein gerne daran, dass es nicht unsere Aufgabe ist, allen eine einheitliche Glaubenshaltung überstülpen zu müssen. Ich glaube vielmehr, dass wir aus gutem Grund völlig verschieden geschaffen sind. Nur so ergänzen wir uns. Mein Hauptanliegen, warum ich nochmals schreibe: jede/r hat seinen oder ihren eigenen Glauben. Es ist hochnäsig, die eigenen Erkenntnisse als Gottes Willen zu deklarieren. Jede/r darf Buße tun und umkehren, aber jede/r auch nach vorne gehen. Jede/r darf Glaubensgrundsätze fest zementieren und sich bis ans Ende aller Tage daran festhalten oder sich weiterentwickeln. Wie immer schlage ich vor, dass wir Gott die Entscheidung überlassen, wie wir sein Wort verstanden und gelebt haben.

Leserbriefe

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