Leserbriefe

Die Chance zum Neuanfang nutzen

07.06.2010, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Emil Neuscheler, Neckartailfingen. Zum Artikel „Köhlers Rücktritt wirbelt die Politik durcheinander“ vom 1. Juni. Der Rücktritt von Bundespräsident Köhler erschüttert die Politik. Der Seiteneinsteiger, von CDU und FDP auf den Schild gehoben, schmeißt hin, weil er, wie er sagt, den nötigen Respekt für sein Amt vermisst. Es ist schon bemerkenswert, wie dem Regierungslager angehörige und nahestehende Funktionäre selbst auf ihre Ämter verzichten. Der aufmerksame Bürger aber fragt sich besorgt, was für ein miserables Betriebsklima muss in der Koalition herrschen, in der man eigentlich kontinuierlich zusammenarbeiten müsste. Nichts Konstruktives geschieht hier – nur Streiterei. Als Erster ging der Finanzexperte Merz, unser Herr Oettinger wurde unter freiwilligem Zwang nach Brüssel abgeschoben, der Hesse Koch wollte auch nicht mehr. Wenn nun auch noch der Bundespräsident den Hut nimmt, fragt man sich zu Recht: Wer ist der Nächste?

Köhler wurde wegen seinen Äußerungen in Kundus heftig kritisiert, dabei hat er nur eine Binsenweisheit ausgesprochen. Wenn wir als Exportnation existieren wollen, müssen wir dafür sorgen, dass unsere Waren auch beim Käufer beziehungsweise Empfänger ankommen. Das hat schon die Hansestadt Hamburg vor etlichen Jahren erkannt, als sie Störtebeker das Handwerk legte. Übrigens befinden sich unsere Korvetten am Horn von Afrika und vor der Libanonküste nicht auf Freundschaftsbesuch, sondern im militärischen Einsatz. Die negativen Schlagzeilen über Köhler bewegen sich zwischen Dünnhäutigkeit, mangelndem Pflichtgefühl und gipfeln in Fahnenflucht. Dieser Rücktritt war keine spontane Reaktion. Man hat diesen manchmal unbequemen Mann in Berlin nicht beachtet und kaltgestellt. Er wurde zur tragischen Persona non grata.

Für eine sensible Natur, die nicht die Nehmerqualität eines Prellbocks besitzt, ein Grund zum aufhören. Es ist bedauerlich, wenn gerade jetzt in dieser schwierigen Zeit der Weltwirtschaftskrise, des schwächelnden Euros und einschneidender Sparmaßnahmen ein kompetenter Fachmann von Bord geht. Wir würden es uns alle wünschen, wenn der Rücktritt ein Signal für einen Neuanfang wäre, für eine kompaktere Politik der Koalition. Das können wir schaffen, denn auf diese innerdeutsche Krise hat der Globus keinen Einfluss. Unsere Qualitäten sind gefordert. Diese Krise ist hausgemacht. Köhler war bei der Bevölkerung ein beliebter Präsident. Sein Nachfolger oder seine Nachfolgerin werden sich anstrengen müssen, die gleiche Popularität zu erreichen.

Leserbriefe

Verkehrsprobleme werden nicht gelöst

Raimund Popp, Nürtingen. Zum Artikel „Der Sieger kommt aus der Schweiz“ vom 20. September. Bevor die Umsetzung der Bahnstadt beginnt, muss der Kreuzungsknoten beim Amtsgericht nachweislich gelöst werden. Eine kleine Übersicht zum Plan der Bahnstadt: alle östlichen Häuser direkt an den…

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