Leserbriefe

Die CDU braucht eine Neuorientierung

30.01.2010, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Udomar Rall, Nürtingen. Zum Artikel „Viele Katholiken fühlen sich in der Union nicht mehr zuhause“ vom 26. Januar. Nachdem Frau Merkel in jüngerer Zeit in ihren Gesprächen angeblich mehr Gewicht auf die Werte legt, die dem „C“ ihrer Partei entsprechen, reizt es mich zu einem Kommentar.

Vor der Bundestagswahl im September habe ich den Wahlomat bemüht, um festzustellen, was für meine Sicht dabei rauskommt. Danach habe ich den Durchgang wiederholt und zwar so, dass ich die gestellten Fragen aus einer Sicht christlicher Gebote und Nächstenliebe beantworte. Manche Antworten fielen neutral aus, weil sie nicht auf Anhieb ethisch relevant erschienen. Das Ergebnis in der Reihenfolge: 1. Grüne, 2. ÖDP, 3. Die Linke, 4. SPD, 5. Die Violetten, 6. FDP, 7. REP, 8. die CDU als christlich-moralisches Schlusslicht. Überraschend? Eigentlich nicht, aber ich hatte nicht erwartet, dass die CDU noch hinter den Republikanern liegt.

Für die CDU/CSU war Natur- und Umweltschutz vor nicht so langer Zeit ein absolutes Fremdwort. Erst die Grünen haben als Partei (mit Ausnahme früherer Miniparteien wie der FSU) den Umweltschutz wirklich thematisiert. Fortschritte im Tierschutz haben die C-Parteien erfolgreich verhindert oder gebremst und in sozialen Fragen waren sie oft recht zurückhaltend. Auch für die FDP spielt die Umwelt keine große Rolle. Sie ist unter anderem für die grüne Gentechnik aus blinder Fortschrittsgläubigkeit, ohne sich mit den Fakten wirklich umfassend befasst zu haben, die eindeutig gegen dieses Monopoly-Spiel der Agrar- und Lebensmittelkonzerne sprechen.

Eine unionsgeführte Regierung hätte uns mit sehr großer Wahrscheinlichkeit in den Irakkrieg verwickelt. Ich erinnere mich noch genau, wie vehement sich die lokale CDU für die Propaganda der USA eingesetzt und wie Frau Merkel sich in Washington angebiedert hat. Die konsequente Haltung Schröders wurde als Verrat am Bündnispartner gesehen. Wo bleiben da die christlichen Werte? Es wird viel von Glauben gesprochen. Doch ein Glauben, der nur in der Theorie bleibt oder als Marketing-Trick benützt wird und nicht gelebt wird, ist nicht nur wertlos, sondern er wird sehr oft von „Gläubigen“ missbraucht und gefährlich. Aktuelle Probleme wie Klimawandel und Wirtschaftskrise sind eine Folge fehlender ethischer Verantwortung. Wo Profit und Wachstum immer wichtiger als Umwelt und Gemeinsinn wiegen, folgen neue Katastrophen.

Mir geht es aber nicht darum, die CDU/CSU schlechtzumachen, sondern ich möchte eine dringend notwendige Neuorientierung anregen. Es wäre an der Zeit. Sonst bleibt das „C“ eine Mogelpackung.

Leserbriefe

Kirchlicher Substanzverlust

Eugen Wahl, Nürtingen. Zum Artikel „Miteinander auf dem Weg“ vom 7. Dezember. Auch wenn man gemeinsam ein Papier mit dem Bekenntnis zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung unterschreibt, kann man dennoch unterschiedliche Ziele verfolgen. Das hat die fragwürdige weltanschauliche Praxis von…

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