Leserbriefe

Die Bahn und die Sicherheit

03.11.2011, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Thomas Mitsch, Wendlingen. Zum Artikel „Bahn: Drei Viertel der Bürger profitieren von S 21“ vom 31. Oktober. Ein Schüler, der die vier Grundrechenarten nicht beherrscht, erregt Verwunderung, wenn er Mathematiker als Berufsziel angibt. Was ist von einer Bahn zu halten, die Stuttgart 21 als Meilenstein zum Mobilitätsparadies anpreist, aber andererseits nicht einmal in der Lage ist, ihr ganz normales Geschäft ordentlich zu erledigen?

Sicher ist nur, dass auch dieses Jahr im Dezember die Fahrtkosten wieder um drei Prozent steigen. Ansonsten ist die Sicherheitsbilanz der Bahn eher fragwürdig. Anfang Juli 2010 waren innerhalb weniger Tage in 50 Fernzügen die Klimaanlagen ausgefallen. Ein ICE in Bielefeld musste angehalten werden, weil mehrere Fahrgäste ernste Kreislaufprobleme bekamen. Im Juni 2011 fielen die Klimaanlagen wieder auf 20 Strecken aus.

Nach einer Erhebung Mitte dieses Jahres sind 20 Prozent aller Fernzüge verspätet. Es ist ein wohlbekanntes Mittel namentlich von Politikern, die zu dumm oder zu faul sind, ihr Alltagsgeschäft ordentlich zu bewältigen, dass diese, um von ihren Defiziten abzulenken, einen „dringenden Bedarf“ herbeireden. Diesen lösen sie dann mit viel Selbstlob, hohen Geldbeträgen oder (unter dem Beifall der Biertische) mit Gesetzesverschärfungen. Parallelen zu Stuttgart 21 drängen sich auf.

Eine Bahn, die bei der Bewältigung ihres Tagesgeschäfts nicht unerhebliche Probleme hat, lenkt hiervon ab, indem sie durch den Bau von Stuttgart 21 dem Bürger „Profite“ in Form von ein paar Minuten Zeitgewinn verspricht. Das „Stresstest-Gutachten“ sieht dies etwas anders. Wenn hier „Profite“gemacht werden, dann bei Bauunternehmern, Planern und Banken.

Wer der Bahn nicht glaubt und weiter seinen Unmut öffentlich kundtut, für den wird auch gesorgt. Die Stuttgarter Polizei plant ein Gefangenenlager mit Haftcontainern auf dem Cannstatter Wasen. Der Polizeisprecher Keilbach hat wohl recht, wenn er sagt, man müsse sich darauf vorbereiten, dass der Protest gegen das Bahnprojekt Stuttgart 21 „stark zunehme“.

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Dorothea Röcker, Nürtingen. Zum Artikel „Infoveranstaltung zur Gartenschau“ vom 2. November. Eine Landesgartenschau ist ein zukunftsweisendes Projekt und muss deshalb ganzheitlich gedacht werden, wenn sie Entwicklungsprozesse in Gang setzen soll. Das Thema „Grüne Stadt am Fluss“ war schon immer…

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