Leserbriefe

Die Autolobby und der Schummel-Diesel

13.05.2017, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Albrecht Dürner, Neckartailfingen. Als Eigentümer eines Schummel-Diesels Baureihe EA 189 Marke VW-Dieselgate stelle ich nach Update der Software fest, dass bei etwa gleicher Fahrweise mehr als 1,2 l/100 Kilometer laut Bordrechner verbraucht sind. Selbst notiert 1,25 l/100 Kilometer. Das geht sicher so weiter. Habe das Auto nicht gekauft, um es demnächst bei Smogalarm stehen lassen zu müssen, weil es eine Dreckschleuder ist. Als Euro-5-Modell gekauft, sollte der Zwei-Liter-Motor im Drittelmix 7,5 l/100 Kilometer laut EU-Norm – getestet mit „Tricki-Software“ – verbrauchen. Echt waren notiert bei einer Laufleistung von rund 150 000 Kilometer knapp 7,5 Liter. Der Bordcomputer zeigte bei Ausleseintervallen nur 7,3 Liter an. Schadstoffe mit Schummelei amtlich festgestellt seien 199 g/km. Allrad/Tiptronic und Fahrstrecken auf Fernstraßen rund 110 000 Kilometer mit 6,3 Liter laut Norm, schien das Mehr von 0,7 bis 0,8 Liter akzeptabel. Beworbener Kombi-Verbrauch war unterschritten. Unakzeptabel ist der nun festgestellte Mehrverbrauch. Steigt der Schadstoffausstoß mit? Mit Schummelei ohne Prüfrolle im Echtbetrieb ist festgestellt, dass das Drei- bis Vierfache an Schadstoff, rund 800 Gramm typisch seien. Bei zehn bis 20- Prozent Mehrverbrauch ist gar ein Kilogramm nicht selten. Sieht so Luftreinhaltung aus?

Praxistaugliche Verwendungstests sind längst EU-weit überfällig ohne Schummelei. Wie jüngst zu lesen war, werden strengere Regeln und Strafen bei Zuwiderhandeln von der deutschen Auto-Lobby und der Regierung blockiert beziehungsweise abgemildert. Nichts gelernt? Reale Tests erlaubten, Verbräuche und daraus gemessene Schadstoff-Emissionen zu ermitteln. Geführte Klima-/Umweltschutzdebatten in der EU und Deutschland sind bislang deshalb unehrlich. Die Landes-CDU fordert, Umrüsten durch den Staat (Steuerzahler) zu prämieren. Reiht es sich nicht in Dobrindt’sche Täuschungs-Strategien und in Autolobby-Interessen ein wie so oft? Autofahrer sollten Ersatz für den Betrug fordern.

Schummeln beim Diesel oder beim Benziner ist ausnahmslos Praxis aller Hersteller. Käufer sind seit Jahren betrogen. Von Politik fadenscheinig argumentierend geduldet, der Markt richtet es eben nicht. Nach Verursacherprinzip ist die Autoindustrie – voran VW – die verdammte Pflicht schuldig, ohne steuerliche Anreize à la USA zu bereinigen. Euro 6, ebenso verrufen, taugt als Norm zur Umrüstung schon deshalb auch nicht. Eine andere Lösung muss her. Ingenieure halten sicher welche in Schubladen parat, ebenso wie es Schummel-Software auch im Schubfach gab. Wie kommt es, neue 40-Tonner-Lkw seien allein mittels wenig aufwändiger Technik nach realer Messung besser als 1,6- bis 3,0-Liter-Pkw-Diesel? Ist die Technik beim Pkw nicht machbar?

Leserbriefe

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