Leserbriefe

Die Armut ist nicht vergleichbar

23.10.2015, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Klaus-Dieter Tempel, Nürtingen. Zum Leitartikel „Liebe deinen Übernächsten“ vom 24. September. Rainer Wehaus schießt in seinem Leitartikel am 24. September eine volle verbale Breitseite gegen die sogenannten Armutsflüchtlinge ab. Er gibt vor zu wissen, warum sie kommen. Wir verdanken das „einer fast schon historischen Dummheit“ der Richter des Bundesverfassungsgerichts. Herr Wehaus ist offenbar klüger und weiß, dass die Armutsflüchtlinge nur deshalb kommen, weil mit den Hartz-IV-Sätzen alle Wohltaten, deren unser Land fähig ist, über ihnen ausgebreitet werden. Er glaubt wohl, dass Hartz IV Anreiz genug ist, um im Heimatland Haus und Hof zu verlassen und sich mitsamt Kind und Kegel auf den Weg in das gelobte Land Deutschland zu machen.

Es ist ja auch so „attraktiv“, sich endlich in der sozialen Hängematte in unserm Land räkeln zu dürfen, Wohnung umsonst, üppige 300 Euro Hartz IV pro Person im Monat und natürlich ohne dafür arbeiten zu müssen. Wer wird denn da so dumm sein und sich nicht auf den Weg hierher machen.

Herr Wehaus weiß wohl wenig oder nichts von den Zuständen im Kosovo, in Mazedonien und anderen Balkanländern, die als „sichere Drittstaaten“ gelten. Die Armut hier ist mit dortiger Armut nicht vergleichbar. Da leben viele Menschen von der Hand in den Mund, im Zustand zwischen Hoffnung und Verzweiflung. Eltern wissen heute nicht, was sie und ihre Kinder morgen essen werden. Kleidung und Schuhe sind abgetragen. Neues ist unbezahlbar.

Für sich und ihre Kinder haben die Menschen keine Perspektive. Und wenn sie das Pech haben, Roma zu sein, dann sind sie zudem vielfacher Verachtung und Benachteiligung ausgesetzt. Wer von uns würde unter diesen Umständen nicht alles versuchen, um so ein Leben hinter sich zu lassen. Rainer Wehaus fehlt offenbar die Vorstellungskraft, um das nachvollziehen zu können.

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