Leserbriefe

Die Amerikaner im Dauer-Kriegszustand?

11.11.2016, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hartmut Schewe, Aichtal-Neuenhaus. Zum Leserbrief „Ist das der richtige Weg zur Nato?“ vom 2. November. Versehentlich wurde in der Nürtinger Zeitung nicht mein Meinungsbeitrag zum Kommentar von Herrn Grabitz abgedruckt, sondern nochmals dessen Kommentar, von dem ich mich ausdrücklich distanziere. Ich frage mich, ob Herrn Grabitz nicht bekannt ist, dass kein Land auf Erden so viele Kriege geführt hat und führt wie die USA? Fachleute sprechen schon vom Dauer-Kriegszustand der USA. Die USA verurteilen saudische Luftangriffe auf eine Trauergemeinde im Jemen. 140 Tote. Wussten die US-Regierungen seit Jahrzehnten nicht, was vom Wahabiten-Königreich zu halten ist? Die USA sind entrüstet, wenn sie russischen Hacker-Angriffen ausgesetzt sind. Und was machen sie selber? Die hacken sogar das Telefon der Kanzlerin, einer schon fast unterwürfigen Verbündeten.

Vorausgesetzt, der Vorwurf Russland hätte gezielt in Aleppo ein Krankenhaus zerstört träfe zu, so wäre das ohne Zweifel ein Verbrechen. Es muss aber auch die Frage erlaubt sein, wie viele Krankenhäuser, Schulen und Kindergärten die USA in ihren völkerrechts-brechenden Kriegen allein in den letzten Jahrzehnten zerstört haben. Nicht nur wie vor einem Jahr in Kundus, als ein US-Bomber ein gut ausgerüstetes Krankenhaus mit geschultem Personal in Schutt und Asche legten. Und was war in Korea? Vietnam, Laos, Kambodscha, Afghanistan (dort legten die USA die Keimzelle für den heutigen Terror-Islamismus), Irak, Syrien, Libyen und, und, und.

Und was halten die von den Ergebnissen freier Wahlen? Ganz einfach: Die freien Wahlentscheidungen fremder Völker interessieren US-Regierungen nur dann, wenn sie ihnen in den Kram passen. Wo nicht, wird eben ein Putsch oder auch ein Bürgerkrieg angezettelt. Bescheidene Auswahl im Telegrammstil:

1953/54 wird Sozialist Mossadegh in freien Wahlen zum iranischen Regierungschef gewählt – verlangt einen fairen Anteil an den Ölgewinnen der BP – CIA eilt zu Hilfe, besticht hohe Militärs und Beamte – der bestellte Putsch folgt und der Schah eingesetzt. Abertausende werden unter US-Duldung ermordet. Einzige Möglichkeit von Opposition im Schutz der Mullahs. Der Schah muss fliehen und Khomeni kommt aus dem Exil zurück.

Anderes Land, gleiche Methode: 1970 wird der Sozialist Allende in freien Wahlen zum chilenischen Präsidenten gewählt. Er verlangt einen fairen Anteil an den Gewinnen vom Kupferabbau von US-Firmen. Die Verweigerung führt zur Verstaatlichung der Minen. In der Folge wird Allende gestürzt und der faschistische Oberst Pinochet kommt an die Macht. US-Regierungen haben auch kein Problem Drogenschmuggel in der USA zu dulden, wenn’s passt und beide Kriegsparteien gleichzeitig mit Waffen beliefert werden, damit die mit sich selbst beschäftigt sind und der US-Weltherrschaft nicht im Wege stehen (Iran-Contra-Affäre).

Leserbriefe

Abstrakte Argumente von de Maizière

Christoph Traube, NT-Neckarhausen. Zum Artikel „Kauder will notfalls Verfassung ändern“ vom 5. Januar. Unser Bundestagsabgeordneter, Michael Hennrich, kritisiert demnach, dass von den Kritikern des Bundesinnenministers keiner sage, was die Vorteile der jetzigen Regelungen seien. Das erstaunt…

Weiterlesen

Weitere Leserbriefe Alle Leserbriefe