Leserbriefe

Deutschland sollte sich das leisten können

11.02.2012, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Bärbel Kehl-Maurer, Nürtingen. Zum Artikel „Teure Hilfe“ vom 4. Februar. „Am Golde hängt, zum Golde drängt doch alles“ (Goethe, Faust). 12,5 Milliarden Euro sind eine Stange Geld. Und wenn man den mit weiteren hohen und weiter steigenden Zahlen gespickten Beitrag von Markus Grabitz über die „teure“ Eingliederungshilfe für behinderte Menschen gelesen hat, fragt man sich unwillkürlich, ob man mit dieser Riesensumme nicht etwas Besseres anfangen könnte. Überhaupt vermittelt dieser Beitrag dem Leser ganz subtil die Vorstellung, dass Menschen mit Behinderung in Deutschland wenig leisten, aber viel kassieren. Klar, es geht hier nicht nur um Menschen mit angeborener geistiger oder körperlicher Behinderung. Es geht um alle. Auch um diejenigen, die jahrelang brav gearbeitet, verdient und Steuern gezahlt haben. Alle, die früher oder später – aus welchen Gründen auch immer – der Allgemeinheit zur Last fallen. Und für die die Kommunen zahlen müssen.

Ja, geht’s denn noch? Wo sind wir denn wieder gelandet? Betrachten wir mittlerweile Menschen mit Behinderungen wieder mal nur unter dem Kosten-Nutzen-Aspekt? Wobei besonders bemerkenswert ist, dass in der Kommentierung die Leistungen der Eltern und der Familie der betroffenen Menschen gar nicht zur Kenntnis genommen werden. Und auch nicht deren Probleme und Kosten! Mit viel gutem Willen kommt man schließlich dahinter, dass der Autor in seinem teilweise leider schlecht recherchierten Beitrag darauf hinaus will, dass der Bund bei der Finanzierung mit einsteigen soll, indem er das Bundesteilhabegeld einführt. Damit die Belastungen der Kommunen geringer werden.

Das ist o. k. Ich hätte mir aber gewünscht, dass hier weniger argumentativ der Sozialneid geschürt wird, sondern stärker auf unser aller soziale Verantwortung abgehoben wird. Schließlich hat Deutschland schon 2009 die UN-Behindertenrechts-Konvention unterzeichnet und sich damit verpflichtet, auch die Schwachen gleichberechtigt an unserem gesellschaftlichen Leben teilhaben zu lassen. Ein Land wie Deutschland sollte sich das schon leisten können. Wenn nicht wir, wer sonst?

Leserbriefe

Wir brauchen Parteien, die Mut machen

Patrik Müller, Beuren. Zum Artikel „Die DNA der früheren CDU“ vom 15. September. Frau Kosova kann man zu ihrer gelungenen Integration in Deutschland nur gratulieren. Ich kann allerdings überhaupt nicht nachvollziehen, wie sich eine aus Usbekistan stammende Frau mit jüdischen Wurzeln, die in…

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