Leserbriefe

Der Zweite Weltkrieg und der Syrien-Krieg

30.12.2016, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Peter Reinhardt, Neckartenzlingen. Zum Artikel „UN begleiten die Evakuierung Ost-Aleppos“ vom 20. Dezember. Aleppo – und wir? Wir sehen alle mit Entsetzen auf die Geschehnisse in und um Aleppo und wagen es nicht, uns in Gedanken dorthin zu versetzen. Die, die den Zweiten Weltkrieg noch miterlebt haben, erinnern sich vielleicht an die Bombennächte damals in Deutschland. So erbarmungslos wie die Deutschen damals waren, so erbarmungslos schlugen die Alliierten zurück, wird jetzt in Syrien gekämpft.

Im Durchschnitt kamen damals etwa 1500 Menschen je Stunde (!) ums Leben. Und so wie man heute fragt „Hätte irgendjemand das Inferno in Syrien verhindern können?“, so hat man damals gefragt: hätte man Hitler verhindern können? Die Fragen sind ähnlich – die Antworten auch. So bitter es ist: es hätte beide Male nur eine Möglichkeit gegeben: rechtzeitig militärisch eingreifen! Als Hitler das Rheinland – gegen alle Verträge – besetzte, hätten die Alliierten ihn stoppen können. Aber nur mit militärischen Mitteln: mit dem Eintritt in einen neuen Krieg. Das haben sie aus verständlichen Gründen nicht getan, wer will schon einen Krieg riskieren oder anfangen? Nur Diktatoren macht das nichts aus. Das gibt ihnen Handlungsmacht (Putin). Ähnlich ist die Lage in Syrien. Natürlich könnte der Westen von seiner militärischen Stärke her dort massiv eingreifen; natürlich hätte er den Aufständischen zum Beispiel Flugabwehrraketen liefern können und nicht nur sonstige Waffen. Aber wäre das verantwortungsvoll gewesen?

Der Westen wäre voll in den Krieg integriert gewesen. Auf der Gegenseite Russland, der Iran et cetera. Die Hoffnung, dass man mit Diktatoren (Assad) durch Verhandlungen zu friedlichen Lösungen kommen kann, ist notwendig, wenn man einen Krieg verhindern will, der furchtbar wäre – aber ein Erfolg?

Bei Hitler hat Reden nichts gefruchtet – im Nahen Osten hoffen wir weiter auf etwas wie Vernunft und Menschlichkeit und müssen erleben, dass das bisher nicht arg hilft. Das schreckliche Dilemma ist doch: wir müssen entweder in einen üblen Krieg militärisch einsteigen oder erschreckt zusehen. Es ist so leicht auf Europa zu schimpfen, das so hilflos dasteht. Aber: hätte der Westen den großen Krieg riskieren sollen oder dürfen gegen Russland und muslimische Staaten? So bleibt uns nur eines: den Menschen von dort zu helfen, so weit es geht. Und uns gegen Seehofers Vorschlag zu wehren, der doch lautet: „200 000 im Jahr nehmen wir, alle weiteren sollen dort verrecken, wo der Hass herrscht, mehr können wir nicht aufnehmen!“ Das wäre zwar national, aber weder christlich noch human. Wo bleiben bei ihm unsere „christlich-europäischen Werte“? Natürlich können wir einfach unsere egoistischen Augen verschließen. Oder? – Menschen helfen?

Leserbriefe

Abstrakte Argumente von de Maizière

Christoph Traube, NT-Neckarhausen. Zum Artikel „Kauder will notfalls Verfassung ändern“ vom 5. Januar. Unser Bundestagsabgeordneter, Michael Hennrich, kritisiert demnach, dass von den Kritikern des Bundesinnenministers keiner sage, was die Vorteile der jetzigen Regelungen seien. Das erstaunt…

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