Leserbriefe

Der Vater der grünen Revolution

27.02.2015, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Roger Speier, Schlaitdorf. Den „Vater der grünen Revolution“, Norman E. Borlaug, sollte man aus meiner Sicht kennen. Dieser Mann soll Abermillionen Menschen vor dem Hungertod bewahrt haben und das Gedenkjahr 2014, in dem Borlaug 100 Jahre alt geworden wäre, ging für ihn ohne große öffentliche Würdigung zu Ende. Er war ein unsichtbarer, stiller Held des 20. Jahrhunderts: Borlaug, ein Pflanzenphysiologe und Farmerssohn, lebte im amerikanischen Bundesstaat Iowa und wurde zu einem der erfolgreichsten Innovatoren gegen Unter- und Mangelernährung.

Wohl niemand auf der Welt kann von sich behaupten, mindestens einer Milliarde Menschen das Leben gerettet zu haben. Borlaug wurde genau das nachgesagt, als er vor fünf Jahren in Dallas an Krebs starb. Als die Welternährungsbehörde FAO vor wenigen Wochen eine historische Marke im Kampf gegen den weltweiten Hunger setzte und die geschätzte Zahl von chronisch unterernährten Menschen zwischen den Jahren 2012 und 2014 auf 805 Millionen taxierte (209 Millionen weniger als Anfang der Neunzigerjahre), wurden weder Borlaug noch seine Verdienste explizit erwähnt.

Weshalb die Popularität Borlaugs und der grünen Revolution, trotz der beeindruckenden Erfolge auf den Farmen, nie so richtig eine Breitenwirkung erzielten, wird mit seinen Hochleistungssorten und der Intensivierung der Landwirtschaft von Mitte des vergangenen Jahrhunderts begründet.

Borlaugs Vermächtnis wurde zusehens zu einem Bekenntnis seiner Protagonisten für die Gentechnik. Sein Expertentum hatte er mit klassischen Kreuzungszuchten von Abertausenden Getreidesorten, insbesondere Weizen, erworben. Borlaug hatte erkannt, dass neun bis zehn Milliarden Menschen bis zur Mitte dieses Jahrhunderts nur dann ausreichend ernährt werden können, wenn alle pflanzenzüchterischen Möglichkeiten genutzt werden. Doch alle Fortschritte werden durch die durch den Mensch bewirkte Degradation der Böden zunichtegemacht. Es ist einfach unglaublich, wenn fruchtbares Ackerland von der Größe Islands durch Erosion, Städtebau oder Verschmutzung jedes Jahr verschwinden. Ohne den Schutz der Böden sind alle internationalen Ziele wie Klimaschutz, Erhaltung der Artenvielfalt zum Scheitern verurteilt. Es ist also höchste Zeit, dass die Vereinten Nationen 2015 zum Jahr des Bodens ausgerufen haben. Ob diese Parole allein etwas bewirkt, muss allerdings bezweifelt werden.

Leserbriefe

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