Leserbriefe

Der unwirtschaftliche Stuttgarter Bahnhof

09.06.2016, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Marc Sink, Oberboihingen. Zum Artikel „Bahn gerät bei Stuttgart 21 in extreme Zeitnot“ vom 3. Juni. Ach, wer hätte es gedacht? Vor ein paar Monaten hatte der Bahnvorstand noch beteuert, dass man im Zeitrahmen liege und das Projekt Ende 2021 fertiggestellt wäre. Jetzt hat man plötzlich festgestellt, dass das Bahnprojekt „komplex“ sei und man Fluchttreppenhäuser bräuchte. Nun will man als Folgekonsequenz den Grundwasserschutz „aufweichen“ und weitere Eingriffe in den Straßen- und Schienenverkehr vornehmen, um Zeit zu sparen. Wieder mal zu Lasten der Verkehrsteilnehmer und der Sicherheit. So sieht es also derzeit beim „bestgeplanten Projekt“ (laut Bahnchef Grube) aus.

Bislang wurden lediglich 1,5 Milliarden Euro von insgesamt zehn Milliarden Euro verbaut. Es dürfte also faktisch richtig sein, dass hier noch etliche Risiko- und Kostensteigerungen beziehungsweise Zeitverzögerungen zu erwarten sind. Beim Gotthard-Tunnel wurden insgesamt zwölf Milliarden (ebenfalls für 57 Tunnel-Kilometer) verbaut. Wohlgemerkt war hier der Baubeginn bereits vor 20 Jahren und ein achtgleisiger Bahnhof wurde dort nicht benötigt.

Schier unerträglich ist es für mich, dass man mit S 21 einen Bahnhof gräbt, der jetzt schon nachgewiesen unwirtschaftlich ist. Spannend bleiben die mutmaßliche unerlaubte Einflussnahme der Kanzlerin beim Bahnaufsichtsrat und die neuen Berechnungen des Bundesrechnungshofes. Das Netz und die Zeitungsarchive vergessen nichts. Hoffentlich werden die Verantwortlichen einmal zur Rechenschaft gezogen.

Das Projekt wurde nie wirklich legitimiert. Auch nicht durch die abgehaltene dubiose Volksabstimmung. Ein sofortiger Ausstieg wäre deshalb folgerichtig und notwendig. Wo gibt es denn so etwas in der freien Wirtschaft beziehungsweise bei einem seriösen Unternehmer, dass etwas gebaut wird, was nicht rentabel ist? Aber mit Steuergeldern und einigen naiven Bürgern kann man es ja wohl machen! Alles ist bislang eingetreten, was die Kopfbahnhof-Befürworter vorhergesagt haben.

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