Leserbriefe

Der Traumbahnhof im Untergrund

24.11.2011, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Reinmar Wipper, Nürtingen. Zum Artikel „Stuttgart 21 bringt Region nach vorne“ vom 22. November. Schon wieder waren S21-Befürworter großformatig zu sehen. Das macht sie aber kein Tüpfelchen überzeugender. Was heißt für die Region „nach vorne gebracht werden“? Liegen wir etwa hinten? Was sollen herbeigeredete Fahrplanhoffnungen, die man wie Bonbons dem Kinde ausgibt, damit es beim Doktor den Stich der Nadel nicht spürt? Was ist mit den Schnellanbindungen, wenn eine defekte S-Bahn in einem der Tunnel steckt und die ICE sich stauen bis Mühlacker oder Wendlingen? S 21 besitzt nur geringe Redundanz, hat also kaum Ausweichmöglichkeiten für Zwischenfälle. Eine Embolie im Rohr, ein Unfall im Bahnhofsgleis – und das System steht still. Und was ist mit den tatsächlich maroden Liegenschaften und Strecken der Bahn in BaWü, die man über 20 Jahre lang wird nicht beheben können, weil das ganze Geld in der Stuttgarter Grube versenkt wird?

S 21 ist gebaut auf Profitdenken und üblichen Mauscheleien, Tricksereien und Heimlichkeiten dazu. Es ist wackelig geplant, unvollständig, also unseriös. Es jongliert Zahlen, dass es einen graust. Je nach Zweck mal mit zu hohen oder zu niedrigen. Und das alles wird als demokratisch legitimiert bezeichnet. Da wird’s mir nur schlecht. Heimlichtuerei und Tricksereien haben mit Demokratie nichts zu tun, sind aber seit bald 20 Jahren bei S 21 in Gebrauch. Manche Stuttgarter Presseleute, die seit damals ganz nah dran sind, aber nur noch mit Maulkorb arbeiten durften, bestätigen das unverblümt. Drei Regionalräte lachen zuversichtlich in eine Zukunft, die mit ungedeckten Wechseln ausgelegt ist. Für ihre gesammelten Vermutungen haben sie keine Basis, außer den Hochglanzbehauptungen der Ex-CDU-Regierung sowie der Bahn, die weder politisch noch zum Allgemeinwohl, sondern knallhart profitorientiert handelt. Am Sonntag geht’s nur darum, ob die Landesregierung ausscheren soll, falls die Sache aus dem Ruder läuft. Und das wird sie. Das tut sie schon jetzt, weil die Kosten bereits bis zur Oberkante Unterlippe stehen. Ich stimme mit Ja, weil ich bezweifle, diesen Traumbahnhof im Untergrund noch fertig gebaut und bezahlt erleben zu können.

Leserbriefe

Kein Beitrag zur Barrierefreiheit

Manfred Reichle, Nürtingen. Zum Artikel „Kompromisse für den Schillerplatz“ vom 8. November. Dass nun ein Baum weniger gefällt werden soll als ursprünglich geplant, ist ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Nun sind zwei Bäume so krank, dass man sie fällen muss – (ein Schelm, wer Böses…

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