Leserbriefe

Der Täter wurde zum Opfer

10.06.2010, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Herbert Ruff, Oberboihingen. Zum Tagesthema „Der Fall Gäfgen“ vom 2. Juni. Zum Kindsmörder Gäfgen schreibt der Redakteur, dass die Menschenwürde entweder ganz oder gar nicht gilt, wir müssen daher den Straßburger Spruch aushalten. Das heißt auch, Deutschland muss dem Mörder Gäfgen Schadenersatz zahlen. Es ist in der Tat unerträglich, dass der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte diesen Erfolg erstreiten konnte. Abgesehen davon, dass vorherige Instanzen anderer Meinung waren, ist es absurd, die Menschenrechte so zu verallgemeinern, dass jedem Verbrecher, der bewusst die ethischen Normen der Gesellschaft missachtet, der zum Beispiel andere entführt und ermordet, die Menschenrechte in absoluter Form zugestanden werden. Gerade durch seine wohlüberlegte Tat zeigt er ja, dass er sich außerhalb der menschlichen Gesellschaft stellen will.

Nicht umsonst schließen die Aborigines in Australien Angehörige, die ein Tabu verletzen, aus ihrem Volk aus. Die Täter sind sich der Folgen bewusst und sterben dann innerhalb ein paar Tagen an der Last ihres Gewissens. Ich glaube nicht, dass das Rechtssystem der Aborigines unter dem mitteleuropäischen steht. Ich bin gewiss nicht für Folter, aber im Verhör härtere Maßnahmen anzudrohen als nur Zigaretten zu entziehen, sollte schon möglich sein, da es im obigen Fall um Leben und Tod des entführten Jungen ging.

Es ist absurd zu akzeptieren, dass wir zwar durch Androhung von Gewalt erfahren könnten, wo der Junge versteckt wurde, aber wir dürfen es nicht, weil der Entführer sich auf seine Menschenrechte beruft. Der Rechtsstaat hat sehr wohl das Recht, Gewalt auszuüben, um Gewalt zu verhindern beziehungsweise einzudämmen. Wäre das nicht so, würde kein Staat mehr funktionieren und totale Anarchie wäre an der Tagesordnung. Immerhin gibt es ja auch mittlerweile, laut Polizeigesetz, den finalen Rettungsschuss, wenn es darum geht, ein Opfer aus den Händen von Verbrechern zu befreien. Im Fall Gäfgen wurden die beteiligten Polizisten zwar verurteilt, aber nach Meinung des Gerichtshofs zu milde. Der Täter wurde zum Opfer und die Strafverfolger zu Tätern stilisiert.

Ich denke, dass auch die höchsten Richter nicht der Maßstab aller Dinge sein können. Nicht umsonst heißt es ja: Vor Gericht und auf hoher See ist man in Gottes Hand. Das heißt, eine absolute Wahrheit gibt es nicht. Manche Sozialpsychologen sagen, dass selbst eine lebenslange Gefängnisstrafe gegen die Menschenwürde verstößt. Die logische Konsequenz wäre, auch das Gefängnis abzuschaffen und sämtliche Verbrecher nur zu ermahnen. Vielleicht darf man in absehbarer Zukunft auch keine Verbrecher mehr wegen dem Antidiskriminierungsgesetz als solche bezeichnen, um ja deren Menschenwürde nicht zu tangieren? Vielleicht werden dann auch alle Verbrecher als Opfer der Gesellschaft bezeichnet und bekommen dafür, diese Taten begangen zu haben, auch noch eine finanzielle Entschädigung von ihr, sozusagen als Abbitte dafür, benachteiligt und diskriminiert worden zu sein?

Leserbriefe

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