Leserbriefe

Der Mensch lebt nicht vom Brot allein

08.03.2017, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Elke Kuhlmann, Beuren. Zum Artikel „Neubürger und Wiederkehrer“ vom 4. Januar. Endlich merken es auch die „Experten“, dass unsere Singvögel immer weniger werden. Wenn Naturschützer sich in der Presse dazu äußern, sollte immer darunter stehen: Füttert die Vögel ganzjährig! Bei uns sollte wirklich nicht ein Vogel, auch kein Spatz, verhungern. Es gibt alle Sorten von Vogelfutter, auch mit getrockneten Insekten. Das ist sicher kein Ersatz für fliegende Insekten. Aber immerhin. Bis die EU bessere Richtlinien gegen zu viel Pestizide, Monokultur, Überdüngung und Ausbeutung des Bodens auf den Weg bringt, sind unsere Singvögel vielleicht schon eine Rarität. Der Himmel wird immer leerer und stiller. Schon heute vermissen wir Gimpel, Kleiber, Grünfink, Kuckuck, Lerche und andere. Jeder kann diese Liste verlängern, es ist traurig.

Mich macht es besorgt und wütend, dass Politik und Allgemeinheit diesem Verlust an Singvögeln bisher so stumpf und achselzuckend gegenüberstehen. Unser Land wird immer reicher und wir merken gar nicht, dass wir immer ärmer werden. Da hilft auch die erfreuliche Zuwanderung von Biber, Luchs und Co. nichts, die schon jetzt von vielen kritisch beäugt wird. Es muss inzwischen wirklich schnell gehandelt werden. Aber Politiker sind nur schnell, wenn es um ihre Diäten geht. Die großen Naturschutzverbände sollten ihnen ständig auf die Zehen treten, bis es richtig schmerzt. Von ihnen muss einfach noch viel mehr Öffentlichkeitsarbeit geleistet werden.

Jeder Bürger kann leicht etwas für die Vögel tun. Nicht nur die Ganzjahresfütterung, sondern auch die Garagendachbegrünung und der naturnahe Garten können ihnen helfen. Wie viel spannender ist ein Naturgarten das Jahr hindurch als der Englische Rasen oder eine tote Geröllwüste, fälschlicherweise auch Vorgarten genannt. Ich möchte, dass in jedem Frühjahr der Ruf durch unser Haus geht: „Die Schwalben sind wieder da, es wird Sommer!“ Und allen, die das hören, schleicht sich ein Lächeln ins Gesicht. Denn der Mensch lebt nicht vom Brot allein.

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