Leserbriefe

Der Marshallplan und die Rückzahlungen

15.09.2017, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Lydia Hofstadt, Erkenbrechtsweiler. Zu den Leserbriefen „Frau Hofstadt irrt sich gewaltig“ und „Für den Wiederaufbau gab es Unterstützung“ vom 6. September. Geschichte googeln und lesen ist eine Sache, Geschichte erleben eine andere. Bei Kriegsende 1945 war ich elf Jahre alt und ich weiß, wie Hunger und Not sich anfühlen. Auf dem Land gab es keine Care-Pakete und Hilfspakete bekam nur, wer Verwandte in Amerika hatte. Was es gab war eine Schulspeisung, aber nur für untergewichtige Kinder, die im Wechsel aus Brei oder einer dicken Suppe bestand.

Das Marshall-Plan-Gesetz wurde am 3. April 1948 von den Siegermächten unterzeichnet, das Hilfe für Europa sein sollte, man wollte damit die Förderung eines starken Europa und die Eindämmung der Sowjetunion und des Kommunismus erreichen. Europa sollte demokratisch werden und man wollte einen Absatzmarkt für die Überproduktion der USA schaffen, Amerika stellte deshalb für Europa 13,2 Milliarden US-Dollar an Krediten zur Verfügung. Davon erhielten England und Frankreich je drei Milliarden, Italien 1,5 Milliarden, Deutschland 1,4 Milliarden, der Rest wurde an weitere europäische Länder vergeben. Diese Kredite waren Hilfe zur Selbsthilfe, sicher nicht aus Wohltätigkeit und sie brachten damals eine gute Verzinsung.

In der russischen Zone beschlagnahmte Stalin deutsche Auslandsvermögen und demontierte Betriebe, davon erholte sich die DDR nicht und deren Wirtschaft lag fast bis zur Wiedervereinigung am Boden. Deutschland hatte 1988 alle Nachkriegsschulden an die USA erledigt, wenn da noch etwas offen wäre, darf man versichert sein, dass Herr Trump dies längst eingefordert hätte. Lebensmittellieferungen aus Amerika erfolgten erst ab April 1948, da wurden dann die Rationen auf Lebensmittelkarten höhergesetzt, die erst am 1. Mai 1950 abgeschafft wurden. Also, die Warenlieferungen waren Hilfe, aber sie wurden bezahlt, die zur Verfügung gestellten Kredite waren gut verzinst und getilgt.

Zu den türkischen Gastarbeitern ist zu sagen, dass diese nicht zur Hilfe des Aufbaus von Deutschland gekommen sind. Auf Druck der türkischen Regierung und Amerika wurde ein Vertrag gemacht, um die wirtschaftlichen und sozialen Probleme durch das enorme Bevölkerungswachstum in der Türkei und die heimische Arbeitslosigkeit zu reduzieren. Auch das muss man wissen, wenn man Dankbarkeit von uns einfordert.

Leserbriefe

Überhört Herr Grabitz kritische Stimmen?

Kai Hansen, Nürtingen. Zum Artikel „EU droht Milliardenklage wegen Pflanzenschutzmittels“ vom 11. November. Der Journalist Markus Grabitz gewährt dem weltgrößten Glyphosat-Hersteller Monsanto auf Seite eins der Wochenendausgabe der Nürtinger Zeitung eine prominente Bühne und betreibt zudem deren…

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