Leserbriefe

Der IGeL-Monitor der Kassen

03.02.2012, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Jan Udo Fitzner, Wendlingen. Zum Artikel „IGeL-Leistungen auf dem Prüfstand“ vom 26. Januar. Jeder seriöse Arzt ist dafür, dass Patienten umfassend und wahrheitsgemäß informiert werden. Dazu gehören nicht nur IGeL-Informationen, dazu gehört auch, auf Fehler in der Zeitung aufmerksam zu machen. So irrt Willi Reiners, wenn er behauptet, dass „neue Kassenleistungen ihren Nutzen nachweisen müssen“. Bei den milliardenschweren Kassenprogrammen „Gesundheitsuntersuchung“ (Check-up) oder den „Disease-Management-Programmen“ (DMP) beispielsweise ist dies nicht der Fall. Zwar haben wir Ärzte seit 1989/90 Check-up-Erhebungsbögen zu Abertausenden ausgefüllt. Man hätte prüfen können, ob der Programmaufbau wirklich geeignet ist, Schlaganfälle und Herzinfarkte zu verhindern, ob das Programm das liefert, was es verspricht. Man tat es nicht.

Die Erhebungsbögen wurden nie ausgewertet, viel Zeit war vertan. Vielleicht hat das Programm ja Schwachstellen, die verbessert werden müssten. Eine statistische Analyse würde dies erkennen lassen, und genau das wäre die „evidenzbasierte (die bewiesenermaßen nutzbringende) Medizin“, die man von uns Ärzten einfordert. Stattdessen verzichtet man auf die Evidenz, und die Kassen füllen lieber Anwerbeprospekte mit unbewiesenen Thesen oder belohnen Patienten mit derlei Untersuchungen, damit sie zu Kunden werden.

Bei den DMPs dagegen wurde wenigstens im Falle des Diabetesprogrammes versucht, den Nutzen zu belegen. Ganz schlimm ist es aber, dass unsere größte Kasse den Spruch in die Welt setzt: „Diabetiker im DMP leben länger“, während sie genau weiß, dass der Originaltext der Studie mehrfach betont, dass sich explizit kein „direkter und ursächlicher Zusammenhang“ zwischen DMP-Einschreibung und Lebenserwartung belegen lässt. Hier verlässt die Kasse sogar den Weg der Wahrheit zugunsten der Werbung. Kassen aber, die selbst auf Evidenz verzichten oder Studien verdrehen, wenn ihnen das Ergebnis nicht passt, sollten eher zurückhaltend sein, als sich mittels IGeL-Monitor zu selbsternannten Patientenanwälten und Wahrheitspäpsten zu krönen.

Leserbriefe

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