Leserbriefe

Der Finanzminister muss aufwachen

13.10.2011, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hans Haußmann, Wolfschlugen. Europa ist verschuldet! Was soll da das Milliardengrab Stuttgart 21, das so viele Probleme hat (Parkzerstörung, zehn Jahre Baustelle, Umweltverschmutzung, Zug fahren im Bunker) und mit noch mehr Risiken behaftet ist (Mineralwasser, Tunnelstabilität im Keuper)? Müssen wir unbedingt schneller nach Ulm und München? Was würden Schiller und Goethe dazu sagen? Uhland konnte noch zu Fuß von Tübingen ins Parlament nach Stuttgart gehen. Warum soll eigentlich alles immer noch schneller werden? Wird dadurch jemand glücklicher?

In Afrika haben sie noch nicht einmal Straßen und Kinder können nicht zur Schule gehen und müssen Steine klopfen und sich prostituieren, weil die Eltern das Schulgeld nicht aufbringen können. Vermutlich könnte man mit den Milliarden, die Stuttgart 21 und die Tunnel unweigerlich kosten werden, für alle Straßenkinder, Aidswaisen und Kindersoldaten Afrikas ein paar Jahre das Schulgeld bezahlen. Deutschland verzichtet auf schnellere Bahn zugunsten der Kinder Afrikas – das wäre mal ein Zeichen des christlichen Abendlandes! Nach Jahrhunderten der Kolonisation und Ausbeutung. Arbeitsplätze schaffen durch Tunnelbohren? Arbeitsplätze schafft man heute durch neue Technologien. Die Grünen sind da eindeutig weiter als die SPD.

Braucht Stuttgart ein neues Wohngebiet? Die Zahl der Deutschen nimmt doch ab. (Zum Glück, denn das größte Problem des Globus ist die rasende Vermehrung der Spezies Homo sapiens.) S 21 mag ja vor zehn Jahren noch einen gewissen Reiz gehabt haben, aber inzwischen ist Europa hoch verschuldet. Die Geschäftsgrundlage ist entfallen.

Wenn wir nicht zu der altschwäbischen Tugend des Sparens zurückfinden, übernehmen uns bald die Chinesen. Dann heißt Stuttgart nicht mehr „Stuttgart“ (oder altschwäbisch „Schtuogrt“) – die Chinesen vereinfachen das wahrscheinlich zu „Su-Ga“. Oder es übernehmen die Emirate, dann heißt unsere Hauptstadt vielleicht „Al Shuqr“. Offenbar können Demokratien nicht sparen, je älter sie sind, desto weniger. Wenn etwas die Herzen der Menschen so verletzt wie die Kappung des Stuttgarter Schlossgartens, der Abriss der Bahnhofsflügel und die Zubetonierung des Herzens der Stadt, dann sollte man darauf verzichten.

Leserbriefe

Nürtingen sollte die Chance nutzen

Maike Pfuderer, Stuttgart. Zum Artikel „Neckarufer-Bebauung auf Eis gelegt“ vom 14. Februar. Mit großer Freude las ich vom Beschluss des Gemeinderats, sich doch wieder auf die Seite der Bürger zu stellen und den Platz auf dem Melchior-Areal bis auf Weiteres so zu belassen. Investoren sind eben…

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