Leserbriefe

Der Ferarri oder die Ente

25.11.2011, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Manfred Bauknecht, Nürtingen. Am kommenden Sonntag sollen die Bürger Baden-Württembergs darüber entscheiden, ob sie den Finanzierungsanteil für das umstrittene Immobilienprojekt S 21 kappen wollen, sprich: Ob der Stuttgarter Kopfbahnhof, der ebenerdig erreichbar und eben ist, 16 Gleise aufweist, großen Verspätungspuffer bietet, den Leuten entspanntes Umsteigen auf großer Fläche ermöglicht und nebenbei der zweitpünktlichste Großbahnhof Deutschlands (laut Stiftung Warentest) ist, abgerissen und durch einen Tunnelbahnhof ersetzt werden soll, der schräg liegt (1,5 Prozent), nicht barrierefrei erreichbar ist (also nur über Aufzüge und Rolltreppen), lediglich acht Gleise aufweist, kaum Verspätungspuffer bietet (zum Teil Umsteigezeiten von 70 Sekunden laut Stresstest) und keinen Platz bietet, entspannt umzusteigen. Anders ausgedrückt: Wollen wir viel Geld dafür ausgeben, dass man einen etwas angekratzten Ferrari durch eine modern aussehende Ente ersetzt und den Ferrari, weil nicht mehr gebraucht, verschrottet? Oder möchten wir den Ferrari erhalten und auf die Ente verzichten? Das würde bedeuten: das Ausstiegsgesetz aus S 21 bejahen!

Das ist die eine Seite. Auf der anderen geht es um Immobilien. Wo in Zukunft keine Gleise mehr liegen, sollen neue Stadtviertel entstehen, auf denen Investoren viel Geld (zum Beispiel ECE mittels eines großen Einkaufszentrums) verdienen möchten. Und die Politik sitzt mit im Boot: Lothar Späth, Tanja Gönner, Günther Oettinger, Bahnchef Grube, Stefan Mappus, Stuttgarts OB Schuster et cetera. Die Frage, warum diese Herrschaften also strenge Befürworter des Engpass-Projektes sind und es fast schon mit ihrem Leben verteidigen, dürfte sich also eigentlich bereits von selbst beantworten.

Es gibt also zwei Möglichkeiten: Wir bejahen das Ausstiegsgesetz, ziehen unseren Finanzierungsanteil aus S 21 zurück, unser Ferrari wird mit kleinem Geldbeutel gewartet, getunt und in Zukunft wird es vermehrt zu Bürgerbeteiligungen kommen.

Oder wir verneinen das Ausstiegsgesetz, und die Ente, sprich S 21, wird gebaut. Das heißt, die Politik wird in ihrer Rambo-Politik (siehe schwarzer Donnerstag) bestärkt und wird auch in Zukunft die Bürger bei großen Entscheidungen nicht mitberücksichtigen. Ganz nach dem Motto: Bürgerbeteiligung brauchen wir nicht! Die haben damals bei S 21 auch viel demonstriert und wir haben trotzdem unser Ding gemacht. Mit Erfolg? Ente oder Ferrari?

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