Leserbriefe

Der Euro und die Schulden der anderen

24.08.2013, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Gerhard Herbst, Nürtingen. Zum Artikel „Euro-Rettung im Wahlkampf“ vom 17. August. Bei der Euro-Rettung ist den meisten Bürgern und vielleicht auch Politikern nicht bewusst, dass Deutschland den südlichen Europartnern über das Zahlungsverkehrssystem der Zentralbanken (TARGET2) riesige Kredite gewährt. Dieses System war ursprünglich eine Euro-Clearingstelle und ist in den letzten Jahren zur verdeckten Finanzierung der Schuldenstaaten verkommen. Der TARGET2-Saldo der deutschen Bundesbank, das heißt die deutschen Forderungen an die südlichen Europartner belaufen sich per 31. Juli 2013 auf 576,4 Milliarden Euro. Dagegen hat Spanien einen negativen Saldo, das heißt schuldet dem System per 31. Juli 282,6 Milliarden Euro. Italien schuldet 222,9 Milliarden Euro, Griechenland 59,3 Milliarden Euro und so weiter. Geberländer für diese Kredite sind Deutschland, Niederlande, Luxemburg und Finnland. Alle anderen Euro-Länder erhalten hier zinslose Kredite ohne Zahlungstermin und ohne Besicherung.

Wir sind stolz auf unseren Export, erhalten jedoch aus dem Süden dafür unbegrenzt bestehende Forderungen. Dies ist ein Transfer deutschen Geldes ins Ausland, ohne dass wir einen Gegenwert dafür bekommen. Erst wenn wir aus dem Süden mehr importieren würden als wir dorthin exportieren, könnte sich dieser Saldo einmal ausgleichen. Doch wann wird es wieder ein Gleichgewicht im innereuropäischen Warenaustausch geben? Diese einseitige Belastung der Deutschen kommt in den ESM- und EFSF-Rettungsschirmen gar nicht vor, ist aber zusätzlich und effektiv ein Vielfaches davon.

De facto importiert Griechenland zum Nulltarif aus Deutschland. Warum sollte es aus diesem wundersamen System aussteigen? Ich hätte auch gern ein Lokal, in dem ich unbegrenzt anschreiben lassen kann. Sollte man daher wirklich den Euro in seiner gegenwärtigen Konstellation beibehalten? Wäre nicht eine Zweiteilung in wirtschaftlich stärkere und in schwächere Länder sinnvoll?

Im September stimmen wir auch mit darüber ab, ob die bisherige Euro-Rettung unverändert fortgesetzt werden soll.

Leserbriefe

Gar kein großartiges Bahnprojekt

Klaus-Dieter Tempel, NT-Neckarhausen. Zum Artikel „Nach Wandas Taufe beginnt die Arbeit“, vom 7. Oktober. Mit großer Begeisterung der regionalen Prominenz wurden am Albvorlandtunnel die Bohrmaschinen getauft. Die Wendlinger Geistlichkeit beider großen Konfessionen hat sich für diesen Missbrauch…

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