Leserbriefe

Der Berliner Kreisverkehr

22.10.2011, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Emil Neuscheler, Neckartailfingen. Zum Artikel „Berliner Halbzeitbilanz“ vom 7. Oktober. „Scheitert der Euro, scheitert Europa“, markige Worte fielen im Bundestag, als es um die Erweiterung des Euro-Rettungsschirmes und um weitere zusätzliche Bürgschaften für das Milliarden-Risiko Griechenland ging. Nach den 22 Milliarden Soforthilfe am 2. Mai 2010, den am 21. Mai 2010 zugesagten 123 Milliarden und den jetzt genehmigten 88 Milliarden haftet die BRD jetzt mit insgesamt 221 Milliarden für den Rettungsschirm und das griechische Desaster. Aber reicht das nun wirklich?

Es wäre an der Zeit, der Bevölkerung klaren Wein einzuschenken und die Leute nicht für dumm verkaufen zu wollen, denn der zuständige EU-Kommissar hat die Aufstockung des Betrages für den Rettungsschirm bereits angemahnt und der amerikanische Präsident Obama bringt sogar die unbeschränkte Erhöhung der Garantiesummen in anmaßender Weise ins Spiel. Wenn von deutscher Regierungsseite als einzige Sicherheit für mehr Europa plädiert wird, dann heißt das auch mehr Brüssel. Mit diesem aufgeblähten Monsterparlament hat man in Deutschland nicht immer gute Erfahrungen gemacht und es bedeutet auch einen erheblichen Souveränitätsverlust des deutschen Parlaments.

Weil die Dinge hoffentlich größtenteils außerhalb unserer Grenzen liegen, ist es natürlich schwierig, die Bevölkerung von der Notwendigkeit des Rettungsschirmes und der Hilfe für Griechenland zu überzeugen. Wir haben im eigenen Land noch viel zu tun und das bei einer Verschuldung des Fiskus von über zwei Billionen, das sind zwölf Nullen, und einer Pro-Kopf-Verschuldung von 25 000 Euro, vom Säugling bis zum Greis.

Trotzdem richtet sich das Hauptaugenmerk auf Deutschland, weil wir noch das einzige Land in der EU sind, das über nennenswerte Finanzmittel verfügt. Das weckt die Begehrlichkeiten der anderen. Wenn jetzt der unausweichliche Kapitalschnitt für Griechenland erfolgen muss, wird es sich zeigen, welche Banken von seriösen Bankern oder von Hasardeuren geleitet werden und statt Wertpapieren Ramsch im Keller gebunkert haben, welche den Rettungsschirm in Anspruch nehmen müssen.

Wenn die Politik diesen Instituten die Alleinschuld zuweist, ist das der bequeme Weg, dass aber die Eurostaaten über ihre Verhältnis lebten und über windige Staatsanleihen ihre Ausgaben finanzierten, ist die unbequemere Wahrheit. Die Eurozone befindet sich in einer atemberaubenden Überschuldung, die unsere Währung vernichten und die ganze Welt in eine ungewisse Rezession zu stürzen droht.

Deshalb warnen Bankleute vor weiterer Verschleppung dringender Finanzaktionen, denn umso schlimmer werde die Bereinigung. Dass die Rekapitalisierung schwächelnder Institute kurzfristig erfolgen muss, ist zweifellos dringend, sonst droht eine Kreditklemme mit katastrophalen Folgen für den Wirtschaftsstandort Deutschland.

Das Land braucht klare Richtung und keinen Kreisverkehr. Mit Absichtserklärungen, Abwarten und Taktieren ist dem Land nicht geholfen. Zagen, Zaudern, Zögern, Zerreden bringt die BRD nicht weiter.

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