Leserbriefe

Der Auftritt der AfD-Kandidaten

04.02.2016, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Detlef Walser, Nürtingen. Ich gebe zu, ich war im Roßdorf bei der AfD-Veranstaltung. Der AfD-Kandidat unseres Wahlkreises, ein junger Mann, wenig textsicher, vom Blatt ablesend, sich oft verlesend. Man fragt sich: Wurde eigenes Gehirnschmalz in die abgelesenen Worte investiert, oder sind diese von „Oben“ vorgegeben?

Hauptredner war ein 59-jähriger, gediegen gekleideter Herr. Seine Rede eine circa zweistündige AfD-Selbstbeweihräucherung. Die vor Krieg flüchtenden Menschen (Moslems) wurden verunglimpft, die USA verteufelt, Russland fast vergöttert und alle Altparteien als notorische Verbrecher dargestellt. Die AfD hingegen sei eine Lichtgestalt im dunklen Wald der Altparteien, immer gesetzestreu, ehrlich, ohne Fehl und Tadel und immer um das Wohl der kleinen Leute bedacht. Derart klopfte er brachial mit seinem rhetorischen Hammer alles passend.

Dazu drei Beispiele: Fukushima war keine Katastrophe, da es keine Kernschmelze und keine Toten gegeben habe. Daher sei die Energiewende der Bundesregierung verbrecherisch. Denn der Bürger müsse mit Steuern und Stromzahlungen Windkraft und in China gefertigte Solarkollektoren subventionieren. Die AfD setze hingegen auf Reaktoren mit über 90 Prozent Wirkungsgrad – und zu 100 Prozent sicher. Die seien zwar noch nicht entwickelt, bis dahin komme der Strom aber unsubventioniert aus der Steckdose. Ein nach Tschernobyl halb durch Cäsium 137 verseuchtes Europa, 600 000 starker Strahlenbelastung ausgesetzte und 125 000 schwer erkrankte Menschen blendet die AfD aus.

Männliche Flüchtlinge könnten nach Einführung der Wehrpflicht zur Bundeswehr eingezogen und in den Kampf geschickt werden. Dorthin, woher sie kamen. Vor Assad’s Giftgranaten-Armee und den Mörderbanden des IS geflüchtete Menschen, die nicht ermordet, geköpft, gesteinigt, vergewaltigt oder versklavt werden wollen, will die AfD also bewaffnet in die Hölle zurückschicken.

Boots-Flüchtlinge kommen nach Aussagen des AfD-Kandidaten hauptsächlich aus Libyen. Deutsche Fregatten müssten daher 12,1 Seemeilen vor Libyen patroullieren und diese Boote, oft mit 200 bis 400 Personen besetzt, zur Umkehr „bewegen“. Erstens sei damit das Flüchtlingsproblem erledigt und zweitens würden im Mittelmeer keine Flüchtlinge mehr ertrinken. Wenn sie nicht freiwillig umkehren? Werden sie dann zur Problembeseitigung versenkt und zuvor erschossen, damit keiner mehr ertrinken muss? Mein Resüme: Wie krank muss man sein, um so mit niederen Instinkten zu spielen – und die Presse hat den Lügenzusatz wahrlich nicht verdient.

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