Leserbriefe

Den Gestaltungsbeirat abschaffen?

20.05.2015, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Reinmar Wipper, Stadtrat, Nürtingen. Zum Artikel „Die Entscheidung nicht abwälzen“ vom 15. Mai. Vor sieben Jahren Abrisspläne, heute Teil eines dreigliedrigen Bildungszentrums: Im umzubauenden Hölderlinhaus, in der Schloßbergschule und im Haus Kirchstraße 13 soll das komplette Bildungsangebot der Stadt Platz finden.

Ausnahme: das „Kochen“ geht in die Außenorte, die „laute Musik“ in das alte Gesundheitsamt. Geschafft haben das der Architekt der GWN gemeinsam mit den beiden Bereichsleitern in durchaus hartem, aber am Ziel orientierten Ringen. Eine feine Sache.

Am vergangenen Dienstag haben alle Stadträte den Entwurf zu Gesicht bekommen, perfekt visualisiert durch Professor Roth von der HfWU. 90 Quadratmeter des Wohnbereichs der Familie Gok-Hölderlin sollen als Gedenkstätte auf den originalen Flächen bewahrt und wiederhergestellt werden.

Der Gemeinderat dürfte nach meiner Einschätzung den Lösungsvorschlag mit großer Mehrheit favorisieren. Beschlossen ist indessen noch nichts. Das stand auch nicht auf der Tagesordnung. Das kommt aber noch vor den Sommerferien.

Meine Fraktion und andere haben nach der Rolle des Gestaltungsbeirats in dieser Frage gefragt. Das hat mit „Abwälzen einer Entscheidung“ nichts zu tun! Der OB hat daraus seine Unterstellung abgeleitet, die „linken“ Fraktionen würden ein wichtiges Projekt ausbremsen. Obwohl er weiß, dass ich für meine Fraktion schon im GWN-Ausschuss ein flammendes Plädoyer für die GWN-Lösung gehalten habe.

Hintergrund: Sowohl der OB als auch die „rechten“ Fraktionen würden nämlich den Gestaltungsbeirat lieber heute als morgen abschaffen. Ein Strohfeuer, das dem Bildungszentrum nichts nützt? Der Umbau des Hölderlinhauses kann nur so kommen, wie skizziert.

Eine Restaurierung des niedrigen Daches aus Hölderlins Jugend würde dem gewachsenen Stadtbild zwischen Neckarsteige und Kirchstraße nicht gerecht. Gedenken und Denkmalschutz muss sich vor Retro hüten und bloße Nostalgie meiden. Für Hölderlin und sein Vermächtnis muss man mehr tun als ein Walmdach tiefer legen.

Leserbriefe