Leserbriefe

Demokratie und Parteien

30.03.2017, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Christof Deutscher, Kohlberg. Zum Artikel „Immun gegen Schulz-Hype“ vom 22. März. Als Jugendlicher hatte ich mal einen Abreißkalender. Auf dem wurde täglich eine Frage gestellt, auf der Rückseite des Blattes fand sich dann die Antwort. An eine Frage erinnere ich mich noch genau: „Wo fand die eindeutigste Wahl aller Zeiten statt?“ – Die Antwort lautete: „In Nordkorea!“ Dort hatte der geliebte Führer Kim Il-sung bei einer Wahl einmal 100 Prozent geschafft.

Ach ja, um in Europa zu bleiben, lief dies in der DDR, in der die Granden regelmäßig ähnliche Wahlergebnisse einfuhren. Nun bekommen der geliebte Führer Kim Il-sung und andere seiner Art „zahlenmäßig“ Konkurrenz vom SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz.

Kein Wunder also, dass da auch die CDU nervös wird und nach einer geeigneten Strategie gegen diesen Herausforderer sucht. Das erinnert mich irgendwie an das Gleichnis vom Hase und dem Igel. Aber warum thematisiert sie dann nicht einfach die Wahl an sich des Martin Schulz? Erst eine einsame, überraschende Entscheidung des bisherigen und gescheiterten Vorsitzenden der SPD, Sigmar Gabriel, und dann ein kollektives Abnicken durch die Partei mit 100 Prozent. Funktioniert so eine demokratische Entscheidungsfindung, in der sich wie bei anderen Parteien auch mehrere unterschiedliche Kandidaten zur Wahl stellen?

Aber ich weiß schon: Auch wenn die Merkel-CDU solche Ergebnisse doch noch nie geschafft hat, auch dort gilt seit Langem der Grundsatz, wer noch etwas werden will, sollte sich mit seiner Vorsitzenden gut stellen und möglichst auf Kritik verzichten. Denn wer den Mund aufmacht wird abgestraft, siehe Roland Koch, Friedrich Merz, Christian Wulff und so weiter.

Also greift der CDU-Landesvorsitzende Thomas Strobl (Hase) gegen Martin Schulz (Igel) zu einer anderen Strategie: Er lobt die „Erfahrung, Zuverlässigkeit und Verlässlichkeit“ von Angela Merkel (man könnte auch sagen das „Aussitzen). Kritik kommt, wenn überhaupt, nur aus Bayern von der CSU, und selbst dann kann man sich darauf verlassen, dass sie jedenfalls keine Konsequenzen hat. Bayern ist halt Bayern.

Gibt es in Deutschland eigentlich noch eine Partei, in der nicht alles von vornherein abgesprochen und gelenkt wird? Mir fällt da spontan nur eine ein: Die AfD. Dort wird ständig gestritten und um den richtigen Weg gerungen. Ist vielleicht auch ein Grund, weshalb die AfD von allen anderen Parteien und dem größten Teil der Presse so negativ dargestellt wird? Glauben sie im Grunde ihres Herzens doch noch an die Kraft und Durchsetzungsfähigkeit der Demokratie?

Leserbriefe

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