Leserbriefe

Demografischer Wandel und Bürgerpark

23.09.2011, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Pit Lohse, Nürtingen. In der ablehnenden Haltung des Gemeinderates und der Verwaltung zu mehr innerstädtischer Grünfläche am Neckar kam zum wiederholten Male das Argument auf, dass die Stadt am Galgenberg einen Bürgerpark hat und dies nach ihrer Ansicht nach ausreicht. Folgende Punkte möchte ich den Gemeinderäten und der Verwaltung zur Prüfung vorlegen und um eine Stellungnahme bitten. In den nächsten neun Jahren sinkt die Gruppe der unter 21-Jährigen von 21,7 auf 18,8 Prozent, die der 65- bis 85-Jährigen steigt von 17,1 auf 18,6 Prozent und die der über 85-Jährigen von 2,2 auf 3,2 Prozent. Zehn Jahre später wird die Alterssäule weiter ansteigen und das bis ins Jahr 2080.

Was bedeutet das für den städtischen Haushalt, wie verändert sich das Stadtgefüge und welche neuen und notwendigen Aufgaben und Herausforderungen sind dies für die Zukunft? Davon abgesehen, dass es richtig ist, dass viele ältere Menschen in die Innenstadt ziehen wollen, da sie leider nur noch dort die nötige Infrastruktur vorfinden, hinterlassen sie durch Wegzug Wohnraum, der oftmals weit größer ist als der, den sie zukünftig beanspruchen. Diese Entwicklung sollte analysiert und aufgearbeitet werden, um zu beurteilen, was dies kurz- und mittelfristig in der Frage des Wohnraumbedarfes für die Stadt bedeutet.

Einen weiteren Punkt gilt es schon heute zu beachten: Was würde dies im Hinblick auf die Mobilität und Teilnahme am alltäglichen Leben für eine Stadtentwicklung bedeuten, wenn es immer mehr alte Menschen geben wird? Der Galgenberg wird besonders für ältere Menschen als Erholungsraum mit Sicherheit nicht dienen können, da er schon jetzt von der Bevölkerung kaum wahr- und angenommen wird. In der Zukunft wird die Stadt vermehrt den Kopfsteinpflasterbelag entfernen und rollatorfreundliche Wege schaffen müssen. Bei vielen um die Kernstadt herum angesiedelten Seniorenwohnheimen sind keine Grün- und Erholungsräume vorhanden. Gehbehinderte Menschen, die auf einen Rollator angewiesen sind, können den weiten Weg über die Neckarbrücke und die viel befahrene Bundesstraße, über eine Ampelanlage mit viel zu kurzer Fußgängergrünphase, zum Galgenberg kaum leisten. Zumal sie dort nur eine völlig unattraktive Fußballwiese vorfinden; der Weg zu einem schönen Ausblick auf die Stadt wird ihnen durch einen nicht altersgerechten, zu steilen Aufstieg verwehrt bleiben. Viele ältere Menschen, auch aus dem Kroatenhof, haben uns berichtet, wie wichtig es für sie ist, in der näheren Umgebung, möglichst ebenerdig, spazieren gehen zu können, um dort Natur und Menschen erleben zu können.

Welches Konzept haben Stadt und Gemeinderat, um für immer mehr Menschen altersgerechte und ausreichende Erholungsräume innerhalb der Stadt bereitzustellen? Welche Entscheidungskriterien wurden beim Beschluss zur Wörthbebauung zugrunde gelegt?

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