Leserbriefe

„Das Roßdorf – eine Idylle“

09.07.2016, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Lydia Hofstadt, Erkenbrechtsweiler. Zum Kommentar „Das wahre Gesicht“ vom 30. Juni. Dieser Artikel ist ein Affront für die Roßdorfer Bürger.

Das Roßdorf ist der am dichtesten besiedelte Stadtteil von Nürtingen. Durch die Hochhausbauweise wohnen viele Menschen auf engstem Raum zusammen, deshalb sind die großzügigen Grünflächen dringend erforderlich.

Nun hat die Nürtinger Obrigkeit bestimmt, dass auf der Nanzwiese Container für Flüchtlinge aufgebaut werden – vorgesehen für 40 junge Männer, zunächst für drei Jahre (das kann man glauben oder auch nicht). Dabei ist die Stadtverwaltung den Weg des geringsten Widerstands gegangen, denn es ist unglaubhaft, dass man in anderen Stadtteilen wie dem Enzenhardt, in der Braike, am Lerchenberg oder Steinenberg und so weiter keine 520 Quadratmeter freie Fläche gefunden hätte.

Als das Roßdorf Ende der 60er entstand, haben dort viele Menschen (Vertriebene und Aussiedler) Wohnraum gefunden und inzwischen ist es zu ihrer Heimat geworden. Von 1973 bis 1983 habe ich mit meiner Familie in der Hans-Möhrle-Straße 13 gewohnt.

Trotz des schlechten Rufes, der diesem Stadtteil anhaftete, haben wir eine schöne Zeit erlebt. Wir hatten uns gut integriert, es gab damals nur wenige Schwaben im Roßdorf. Die Menschen, aus vielen Ländern vertrieben, haben zusammengefunden, weil sie die gleiche Sprache (zwar in verschiedenen Dialekten) sprachen, aus den gleichen Kulturkreisen kamen und der gleichen Religion angehörten. Viele hatten Schlimmes erlebt und durchgemacht.

Das Wort „traumatisiert“, das heute oft für Flüchtlinge gebraucht wird, kannte man damals nicht und entsprechende Hilfe wurde deshalb auch nicht gestellt. Es gab einen Zusammenhalt, der bis heute anhält und es wurde vieles ins Leben gerufen wie zum Beispiel der „Brückenschlag“: Ältere Menschen treffen sich monatlich zu einem Ausflug in die Umgebung, man hat gemeinsam eine Kleingartenanlage gebaut, jeden Mittwoch kann man sich zum gemeinsamen Mittagessen im Gemeinschaftshaus treffen, es gibt Spielabende und vieles mehr. Es ist keinesfalls eine vermeintliche Idylle, es ist eine Idylle.

Die Roßdorfer sind keinesfalls fremdenfeindliche Egoisten. Und was die Flüchtlinge angeht, so möchte ich es als feige bezeichnen, wenn man seine Familie ihrem Schicksal überlässt, nur um seine eigene Haut zu retten oder sich ein besseres Leben erhofft.

Noch anmerken möchte ich, dass wir in den zehn Jahren, die wir in dem Hochhaus mit 27 Familien zusammengelebt hatten, kein einziges Mal eine Streiterei erlebt hatten – auch nicht in der Kleingartenanlage, obwohl es damals keine Zäune gab.

Leserbriefe

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