Leserbriefe

Das Paradies als Vorbild?

08.07.2015, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Peter Reinhardt, Neckartenzlingen. Zum Leserbrief „Putin, die USA und der Kalte Krieg“ vom 25. Juni. Beim Leserbrief von Herrn Schewe bin ich erschrocken. Aufgrund meines fortgeschrittenen Alters habe ich „den Westen“ ja nun in seiner Entwicklung seit 1945 miterlebt.

Und ich kann nur sagen: es ist nahezu unglaublich, welches Maß an Wohlstand und Frieden hier im angeblich „bösen Westen“ entstanden ist.

Wir sehen ja, wie es in der übrigen Welt aussieht. Wer möchte denn da irgendwo leben? Das sollten wir doch wohl fest im Bewusstsein behalten.

Manchen Menschen heute scheint der Zustand, den wir zurzeit haben, als etwas Natürliches, ja Selbstverständliches zu erscheinen; gleichsam als Naturzustand, den man endlich ordentlich verbessern müsste.

Er ist das ganz und gar nicht selbstverständliche Ergebnis einer „guten Politik“ in den letzten 70 Jahren. Das sollten wir anerkennen! Und das ist in guter Zusammenarbeit zwischen Amerika und Europa geschehen. Wo auf der Welt lebt es sich so gut wie bei uns? Ist das nichts?

Freilich müssen wir sehen, dass in dieser Zeit auch viel Unrecht geschehen ist – vor allem im Umgang mit dem, was man einmal die „Dritte Welt“ genannt hat. Schlimmes Unrecht! Und auch eine unverantwortliche Ausbeutung. Von anderen Dingen mal zu schweigen.

Der Irak-Krieg war ein ungeheures Verbrechen – keine Frage. Ein nicht kleiner Teil der misslichen Lage im Vorderen Orient ist vom Westen mitzuverantworten – als Gegenleistung sind wir bisher freilich mit Erdöl gut versorgt worden.

Alle Fehler des Westens werden zurzeit in Vorstellungen gebündelt, die in den USA so etwas wie den Hauptbösewicht der Welt sehen wollen: eine durch und durch aggressive Macht mit bösen Absichten in Richtung Weltherrschaft. Vor allem, wenn es gerade um die Ukraine geht.

Aber was ist unser Maßstab? Dürfen wir uns an einem Idealbild orientieren – so nach dem Vorbild des Paradieses, in dem alles immer gut und schön ist?

Nirgends ist alles gut und schön auf dieser Erde. In Russland schon gar nicht. Ob uns das passt oder nicht – wir müssen abwägen: in welchem System geht es den Menschen vergleichbar gut? Gibt es da realiter irgendeine Alternative zum „Westen“? Verbesserungswürdig ist bei uns manches – freilich.

Die arg einseitige Betrachtung „Putin gut, USA böse“ sollten wir nicht durchgehen lassen.

Leserbriefe

Flüchtlinge heute und Vertriebene damals

Barbara Mugrauer, NT-Neckarhausen. Zum Artikel „Bürgerentscheid und Einzelinteressen“ vom 29. Juni. Was bitte hat der Bürgerentscheid mit der Flüchtlingssituation von damals zu tun? Ich finde es vermessen, immer wieder den Vergleich von der heutigen Flüchtlingsproblematik und der Geschichte…

Weiterlesen

Weitere Leserbriefe Alle Leserbriefe