Leserbriefe

Das ist nur ein „Rentenreförmchen“

05.11.2016, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Egon Eigenthaler, NT-Oberensingen. Zum Artikel „Bruttolöhne: Schere im Land geht immer weiter auseinander“ vom 31. Oktober. Regionale Unterschiede in der Wirtschaftskraft und dementsprechend bei den Bruttolöhnen der Arbeitnehmer sind in unserer sozialen, freien Marktwirtschaft wohl kaum vermeidbar, zumal meistens der Warenkorb oder die Mieten auch dem Gefälle entsprechen. Oder träumen einige schon von einer „Sozialismus-Wiedergeburt“ in rot-grün-roter DDR-Nostalgie? Einige Frosch-Spatzen quak-pfeifen es ja bereits von Berlins schwarz-roten GroKo-Dächern. Die Wurzeln des Übels sind die Prozentscheren in den Köpfen der vielen Sachverständigen, der Funktionäre in Parteien und Gewerkschaften – wohl kaum ohne Eigennutz. Ihre prozentualen Lohn- und Gehaltsforderungen und Abschlüsse begleiten die Arbeitnehmer von den Lehrjahren bis ins Rentenalter, vom Studium über eine Anstellung und Beamtung bis zur Pensionierung. Letztlich steuern sie damit den Wert der Arbeit und jeweils den real höheren Zu- und Aufschlag für die Besserverdienenden. Fünf Prozent von 6000 Euro sind eben dreimal so viel wie fünf Prozent von 2000 Euro. Wobei das Beispiel weder die tiefste noch die höchste Spitze der Einkommensschere anzeigt.

Aber damit beginnt erst die Wohlstands- oder Armutsspirale für die Altersversorgung. Alle die unter dem Durchschnitt einsteigen, rutschen je nach Abstand mehr oder weniger nach unten. Alle die oberhalb stehen (nur rund ein Drittel), wandern durch prozentuale Anpassung, mehr oder weniger automatisch, in Richtung „sozialen Luxus“, auch wenn die Zinserträge gar nicht die Steigerungen im oberen Drittel erwirtschaften.

Mit Hilfe verstärkter Einwanderung, wie das der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann in der ARD-Sendung „Farbe bekennen“ verkündet, wird sich diese Dynamik keinen Cent ändern. Nur wenn die Prozentscheren im System und in den Köpfen der Entscheider zu Gunsten der realen Rentenanpassung verschwinden, kann zumindest das Auseinandertriften der Rentenbezüge gebremst und die Altersarmut ohne Mehrkosten wirksam bekämpft werden. Aber ohne Druck von den circa zwei Dritteln der Rentenempfänger, die unterm Durchschnitt liegen, und ohne die panische Angst, dass rechte Parteien vor ihnen dieses Problem erfolgreich lösen könnten, werden weder die DGB-Funktionäre noch die mehrheitlich in den Parlamenten sitzenden Beamten von der unsozialen, wie ich meine, ungerechten, prozentualen, nach oben weit geöffneten „Anpassungsschere“ der Altersversorgung freiwillig ablassen.

Ob die mehrfach angekündigte Rentenreform der Arbeitsministerin Nahles die Altersarmut finanzierbar mildern kann, ist fraglich.

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Eltern sorgen sich um die Gebühren

Katja Müller-Spieth, Nürtingen. Zum Artikel „Neues Kinderhaus im Martin-Luther-Hof“ vom 24. November. Es ist erfreulich, dass die Stadt Nürtingen ihre Zurückhaltung gegenüber freien Trägern im Bereich der Kinderbetreuung öffnet. Dies bietet Familien neue Alternativen zu den bisherigen…

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