Leserbriefe

Das ist bei der Bahn keine Ausnahme

13.07.2010, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Gabriele Klink, Nürtingen. Zum Artikel „Deutschland glüht in Rekordhitze“ vom 12. Juli. Anfang Juni wurden fünfzig überwiegend ehrenamtliche Bürger durch den Bundestagsabgeordneten Rainer Arnold zu einer viertägigen, beeindruckenden politischen Informationsreise nach Berlin eingeladen. Unsere engagierte Reiseleiterin, Frau Mohrmann, kämpfte bereits in Stuttgart mit erheblicher ICE-Verspätung, der Anschlusszug in Mannheim wurde unerreichbar. Unsere Platzreservierungen waren Makulatur.

Vier Tage später, auf der Rückfahrt, fiel bereits bei Abfahrt in Berlin die Klimaanlage aus. Unsere Reiseleiterin alarmierte die Zugbegleiter, im reservierten Abteil war es brütend heiß. Zunächst hieß es ausharren, natürlich ohne ein Getränk oder Erfrischungstücher. Als es unerträglich wurde und einige Mitreisende erhebliche gesundheitliche Probleme bekamen, rettetet man sich erstmal in kühlere Waggons, ergatterte im voll besetzten Zug einen Stehplatz und erfuhr von den Wochenendpendlern aus Berlin, dass überhitzte Waggons im ICE die Regel, nicht die Ausnahme seien.

Ein Reparaturteam rückte an. Dann hieß es: „Alles zurück auf die reservierten Plätze“. Das Glück währte nur kurz. Dasselbe Spiel von vorne. Der erneut alarmierte Zugbegleiter brachte uns nun in den ersten Klassen unter. Dort war man natürlich nicht über unseren „Zugang“ begeistert. Aufatmen. Kurz vor Frankfurt hieß es erneut: Alles zurück in das noch immer gut warme Abteil. Die Bitte, in der kühleren ersten Klasse bis Stuttgart bleiben zu können, wurde abgelehnt. Die Bahn hat kein Geld, ihre Züge ordnungsgemäß instand zu halten, von den ständigen ICE-Verspätungen abgesehen, denn die Bahn muss dringend sparen. Der Reisende ist ihr dabei wesentlich weniger wichtig als ihre Börsianer oder das enorm teure Stuttgart 21, dafür wird ja jeder Cent benötigt.

Ich kann mich nur ihrem heutigen Bericht anschließen: Das, was sich die Bahn tagtäglich leistet, ist keine Ausnahme und sie macht sich „der fahrlässigen Körperverletzung und unterlassener Hilfeleistung schuldig“.

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