Leserbriefe

Das Gewissen als letzte Instanz

04.08.2018, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Anselm Jopp, Kirchheim, Pfarrer a.D. Zum Artikel „ Papst bremst die deutschen Bischöfe aus“ vom 5. Juni. Im Raum Nürtingen gibt es schon seit Jahren und Jahrzehnten eine intensive Teilnahme evangelischer Christen am katholischen Abendmahl und teils auch umgekehrt. Und man ist glücklich darüber. Nun kommt diese schockierende Meldung vom 5. Juni 2018. Die Reaktion darauf kennen wir: geschockt, verunsichert, die eigene Überzeugung weiter praktizierend. Seither gibt es eine starke Klärung bis zum 70. Jubiläum des Weltrates der Kirchen im Juni in Genf, wo 30 000 bis 40 000 Gläubige bei einer Messe den Papst mit tosendem Beifall überschütten und er von einem „ökumenischen Frühling“ bei seiner Absprache vor den Vertretern der 350 Mitgliedskirchen mit ihren 500 Millionen Mitgliedern sprach. Bei der Messe nahmen fast alle Besucher am Abendmahl teil. Der Papst sagte, ich erlaube die Teilnahme nicht und verbiete sie nicht. Das ist die letztgültige Entscheidung im Gewissen jedes Einzelnen.

Der Vorgang kann leicht gedeutet werden. Die Kirchenwende mit dem II. Vatikanischen Konzil (1962–1967) brachte statt oft starren Kirchengesetzen und striktem Glaubensgehorsam nunmehr eine Hinwendung zu Christus und der Heiligen Schrift sowie die Werte der Liebe und Freiheit, der Mündigkeit als Würde der Person. Höchsten Wert hat das Gewissen immer als letzte Instanz, selbst wenn sie irrt. Auch nach 50 Jahren ist diese Wende längst nicht überall vollzogen. Ein schlimmes Beispiel ist im Kommunionsstreit gegeben. Alle Beteiligten argumentieren vorkonziliar, als ob die katholische weiterhin eine Kirche des Rechts sei, mit dem Kirchenrecht von 1983.

Der Papst nicht! Deshalb muss er eingreifen. Ihm (und uns allen) gilt: „Generelle pastorale Regelungen kanonischer Art gibt es nicht“ (Amoris Laetitia 300). Und solche Regelungen wären der Beschluss der Deutschen Bischofskonferenz wie die folgende „Orientierungs“hilfe. Das Volk Gottes ist bei beiden Schreiben den Bischöfen und Kurialen weit voraus. Jetzt gilt: „Dem Volk aufs Maul schauen“.

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