Leserbriefe

Das Fronttheater des Ministers

18.12.2010, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Reiner Essl, NT-Reudern. Zum Artikel „Traumpaar auf Truppenbesuch“ vom 14. Dezember. Seit 2001 beteiligt sich die Bundeswehr am Wiederaufbau von Afghanistan im Verbund mit der internationalen Staatengemeinschaft. Das Ziel ist ein würdiges Leben für die Bevölkerung. Seit 2004 hat dieses Land eine eigene Verfassung, ist aber dennoch Lichtjahre von einer Demokratie entfernt. Der Wiederaufbau war der Auftrag unserer Soldaten, die sich Menschen gegenübersahen, die dem Gesetz der Scharia mehr gehorchen als dem Wunschdenken von Nichtgläubigen.

Der humane Einsatz ist zu Kampfhandlungen geworden und die Scharmützel der Taliban, die doch Glaubensbrüder sind, zum koordinierten Partisanenkrieg. Die Soldaten sind längst in der Defensive und weit weg vom Wiederaufbau. Sie sind einer permanent tödlichen Gefahr ausgesetzt, die ihren blutigen Tribut fordert. Der Krieg, zu dem sich unsere Politiker lange Zeit in der Aussage distanzierten, hat den Tod von 43 deutschen Soldaten und drei Polizisten gefordert. Das sind tote Soldaten und Bürger, die in diesem Krieg gefallen und gestorben sind und durch ihren Tod und das Leid in ihren Familien die Sinnlosigkeit dieses Krieges, der nicht zu uns gehört, widerspiegeln.

Die Staatengemeinschaft weiß, dass der Krieg strategisch nicht zu gewinnen ist, aber ein Ausstieg würde noch mehr das sinnlose Sterben unserer Soldaten infrage stellen. Somit wird eine Solidarität mit den Soldaten durch unsere Politiker inszeniert, um die Rechtmäßigkeit des gefahrvollen Kriegseinsatzes zu dokumentieren und die Psyche der Soldaten für ihren Auftrag zu festigen.

Es sieht gut aus, wenn unser Verteidigungsminister mit seinem charismatischen, positiven Lächeln durch die Reihen der Soldaten geht, um sich mit ihnen zu identifizieren. Primär muss er sich für den Afghanistaneinsatz auch nicht rechtfertigen. Dass er nun seine Frau in das Kampfgebiet mitnimmt, die dort nichts zu suchen hat, und den „Dampfplauderer Kerner“ in die tödliche Szenerie einbaut, soll den Anschein erwecken, dass die Heimat die Soldaten nicht vergessen hat. Das Showgehabe wird nichts ändern in Afghanistan – die Soldaten bleiben in dem immer fragwürdigeren Kriegseinsatz der tödlichen Gefahr ausgesetzt und ihre Familien ihren Ängsten. Der Verteidigungsminister samt den maßgebenden Politikern unseres Landes sollte sich vor allem vor Weihnachten um die Familien der ums Leben gekommenen Söhne und Männer kümmern. Sie sollten ihnen Trost und Mitgefühl vermitteln, aber auch versuchen, ihnen nahezubringen, wo der Sinn des Sterbens ihrer Liebsten für unser Land liegt.

Leserbriefe

Überhört Herr Grabitz kritische Stimmen?

Kai Hansen, Nürtingen. Zum Artikel „EU droht Milliardenklage wegen Pflanzenschutzmittels“ vom 11. November. Der Journalist Markus Grabitz gewährt dem weltgrößten Glyphosat-Hersteller Monsanto auf Seite eins der Wochenendausgabe der Nürtinger Zeitung eine prominente Bühne und betreibt zudem deren…

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