Leserbriefe

Das Drama um die Freie Kunstakademie

23.02.2011, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Max G. Bailly, Unterensingen. Zum Artikel „Stadt bekennt sich zur FKN“ vom 17. Februar. Ich bin Gründungsmitglied der FKN, habe sie 1976 über ein Jahr lang mit dem Hammer in der Hand mit aufgebaut und war dann 50 Semester dort Dozent in den Grundklassen. Wir haben Fundamente gebaut, vielen Menschen geholfen bei ihrer Suche nach Antworten auf Fragen nach der Wirklichkeit unserer Welt. Nach künstlerischem Ausdruck. Antworten auf Fragen, die sowohl das individuelle Leben als auch das Leben im sozialen Umfeld betreffen. Auch dazu hilft künstlerische Spurensuche: die Welt neugierig und skeptisch, staunend und kritisch wahrzunehmen. Um zu erkennen, dass es außer dem (schwer verdaulichen) Geld auch noch andere Nahrungsquellen gibt.

Immer wieder bekomme ich heute Rückmeldungen von ehemaligen Studierenden: „Es war die wichtigste Zeit meines Lebens, ich begann, mich zu orientieren, ich lernte, was Freiheit sein kann, ich lernte hinzuschauen. Weichenstellungen.“ Viele kreative Impulse in unserer Stadt gehen von Menschen aus, die sich an der FKN orientierten, die mit Ideen, Aktionen und Projekten kulturelle Zeichen setzten, um die uns manche Kommune beneidet. Die harte Realität aber ist, dass unsere Kommune ihr kreatives Kind in Angst versetzt. Vorsichtshalber kündigt man den Standort, damit Optionen für eine gewinnträchtige Immobilie offen werden?

Wie aber soll eine Schule bestehen können, wenn sie sich nicht angenommen fühlt, verkauft fühlt? Wenn sie keine Planungssicherheit hat, was den Standort betrifft? (Brauchbare Alternativen konnte ich nicht wahrnehmen.) Wie sollen Studenten angelockt werden, wenn nicht sicher ist, ob sie in vier Jahren ihren Abschluss machen können? Wie soll da der Elan des neuen und sehr kreativen Leitungsgremiums lebendig bleiben? Es gab vor einigen Jahren eine Vereinbarung. Da ging es um Sanierung. Die FKN hatte ihren Teil der Vereinbarung erfüllt – (80 000 Euro mühevoll finanziert). Auf die Erfüllung des Anteiles der Kommune wartet man bis heute. Ich nenne das Wortbruch. Probleme mit der Bausubstanz, die heute immer offensichtlicher werden, gäbe es so nicht, wenn die Vereinbarung eingehalten worden wäre. Zufall? Taktik?

Die FKN ist ein inzwischen schon historischer Teil unserer Stadt, sie hat geprägt, sie hat gebildet, sie hat den Namen der Stadt weitergetragen, sie hat sicher auch provoziert (aber gerade daraus wächst Neues), sie hat eine Schwester gegründet, die hochgeachtete FH Kunsttherapie, und sie hat Menschen geholfen, farbenfrohe Lebenswege zu finden. Ich bitte OB Heirich und den Gemeinderat sehr eindringlich (auch im Namen vieler anderer Bürger), diese überregional geachtete Institution am jetzigen Standort zu erhalten und die vordergründigen kommerziellen Interessen einmal an die zweite Stelle zu setzen. Eine einmalige Schule wie die Freie Kunstakademie darf nicht zur Auswanderung gezwungen werden.

Leserbriefe

Die USA und der Strafgerichtshof

Hartmut Schewe, Aichtal-Neuenhaus. Zu den Artikeln „USA drohen Richtern mit Einreisesperren“ und „Bundeswehr in Syrien“ vom 11. September. Dass Richter und Strafverfolgungsbehörden von Drogenkartellen, Mafiosi und in Bananenrepubliken bedroht werden, ist nichts Neues. Völlig neu ist jedoch…

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