Leserbriefe

Das Bauen und der Artenschutz

02.07.2016, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Gerhard Jakob, Neckartenzlingen. Zum Kommentar „Lästiger Artenschutz“ vom 24. Juni. Die Wendlinger Bürger hätten gelacht, berichtet Sylvia Gierlichs, als Jens Hallfeldt, Projektleiter der Deutschen Bahn, in einer Informationsveranstaltung behauptet habe, Eidechsen tauchten plötzlich an Orten auf, wo vorher nie welche beobachtet worden waren.

Nun versteht Herr Hallfeldt sicher etwas vom Bauen, dass er aber auch über Eidechsen Bescheid weiß, ist eher unwahrscheinlich. Seine Behauptung ist daher nicht weiter ernst zu nehmen.

Gleichwohl verstehe ich das Gelächter der Wendlinger Bürger gut, denn es ist Mode geworden in den letzten Jahren, Naturschützer als nützliche Idioten zu benützen, wenn es darum geht, ein lästiges Bauprojekt in der Nachbarschaft zu verhindern.

Man bekommt da in einem anonymen Anruf etwa mitgeteilt, dass in jener Scheune in Dorfesmitte, die demnächst einem Hochhaus weichen soll, des nachts Fledermäuse ein- und ausfliegen. Oder in jenem Ackergelände am Ortsrand, wo demnächst ein Baugebiet erstehen soll, würden seltene Vögel brüten. Manchmal erweisen sich solche Anrufe als Bluff, manchmal auch als Volltreffer. Dann ist Schluss mit lustig und es gibt nichts mehr zu lachen. Mitprovoziert haben den gegenwärtigen hohen Stand der Naturschutzgesetzgebung und Rechtsprechung ebenjene Kreise, die den Artenschutz jetzt als lästig empfinden. Mitleid mit Bauträgern ist also nicht am Platze, wenn sie mal wieder eine Population Eidechsen umsiedeln müssen.

Naturschützer müssen jedoch auf der Hut sein, dass der gegenwärtige hohe Stand der Naturschutzgesetzgebung nicht wieder verwässert wird. Hat nicht der Präsident der Europäischen Kommission erst kürzlich davon gesprochen, dass man die Naturschutzbestimmungen entschlacken müsse? Auf gut Deutsch: Die Bestimmungen sollen verwässert werden. Nicht nur die Funktionäre des Naturschutzes, alle Naturfreunde müssen sich vehement dagegen wehren.

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