Leserbriefe

Container sieben Meter vor Kirchentür

13.08.2016, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Reinmar Wipper, Nürtingen. Fünf Wochen nach meiner Anfrage konnte die Stadtverwaltung mir mitteilen, dass auf der Nanzwiese abgeholzt werden müsse. Eine 33 Jahre alte Linde. Das Containerzentrum kann nicht ein paar Meter versetzt werden. Der Bebauungsplan lässt das leider nicht zu. Herr, schmeiß Hirn ra! So wie dereinst dem Abraham, als dieser seinen Sohn schlachten sollte, Spruch des Herrn. Doch da fällt ihm ein Bote des Herrn höchstselbst in den Arm. Isaak wird verschont, und Abraham schlachtet stattdessen einen Widder, der sich grad im Gestrüpp verfangen hatte.

Vor gut einem Jahr wusste das Technische Rathaus nicht einmal, dass die Nanzwiese seit eh und je die Adressen Liebermannstraße 2 und 4 hat. Man sprach von Nummer 1. Da wohne aber ich, und mit mir 250 andere. Jetzt wird 4 bebaut. Sieben Meter vor der Kirchentür. Obwohl alles nach drei Jahren wieder weg sein soll, kann man das Teil nicht neben unsere Baumgruppe setzen. Die Erleichterungen im Baugesetzbuch ließen das zu. Man will es halt nicht. Man will im Roßdorf zeigen, wer Herr im Haus ist. Also beruft man sich auf eherne Satzungen. Und auf den Spruch des Herrn. Als ob Beschlüsse vom Himmel fallen. Und so verheddert sich der Amtsschimmel, wie Abrahams Widder, im Gestrüpp der eigenen Vorgaben.

Dem Abraham ging seinerzeit ein Licht auf, dass man nicht dem Spruch des Herrn, sondern besser der eigenen Vernunft folgt, wenn die Besseres rät. So predigte 1984, als die Linden gepflanzt wurden, der Chef des katholischen Bibelwerks im Roßdorf: Der biblische Mythos wolle uns lehren, sagte er, dass man sein Liebstes nicht als Opfer für die eigenen Sünden umbringt, um vor höchster Instanz aus dem Schneider zu sein. Eine Über-Ich-Neurose sei das, resistent wie Unkraut. Und so wird verwaltet statt gestaltet. Wir hätten’s gerne anders gemacht, aber statt einem A . . . in der Hose haben wir Vorschriften.

Quousque tandem abutere, Catilina, patientia nostra – wie lang noch wirst du, Catilina, unsere Geduld strapazieren? Noch gut drei Jahre.

Leserbriefe

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