Leserbriefe

„Casinoartige Zockerei“

06.03.2010, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Dennis Mohorn, Esslingen. Wer ruhig und still diejenige Arbeit tut, die zu tun er sich verpflichtet hat, verdient höchsten Respekt. Wer nicht die Arbeit tut, deren Erfüllung er dem Volk sogar feierlich geschworen hat, verdient tiefste Verachtung! Die Bundesrepublik Deutschland hat seit 23. Oktober einen neuen Außenminister. Der ist jedoch seit Wochen als „Sozialpolitiker“ unterwegs. Gleichwohl schiebt er jeden Monat ein Ministergehalt von 16 529,50 Euro plus Diäten ein. Außer einigen Antrittsbesuchen waren bisher keine nennenswerten Aktivitäten des Außenministers erkennbar.

Die Bundeskanzlerin verdient 18 833,33 Euro pro Monat. Zu ihren Aufgaben gehört es, die Richtlinien auch der deutschen Außenpolitik zu bestimmen. Es ist bisher nicht erkennbar, wann und in welcher Weise sie im Falle Westerwelle von ihrer Richtlinienkompetenz Gebrauch gemacht hat. Der Bürger muss zur Kenntnis nehmen, dass hier zwei Politiker nicht die Arbeit machen, für die sie bestens bezahlt werden. Dies sollten sich all jene Mitbürger vor Augen führen, die Westerwelle nachrennen auf seinem Kreuzzug gegen jene, die angeblich fürs Nichtstun Geld verdienen (darunter fallen aber bitte nicht die 60 Milliardäre und etwa 400 000 Millionäre in Deutschland, die größtenteils ihre Vermögen nicht erarbeitet, sondern ererbt haben).

Der deutsche Außenminister hätte gegenwärtig alle Hände voll zu tun. Gerade er hätte mit seinen ausländischen Kollegen sowie den Finanz- und Wirtschaftsministern eilig Maßnahmen zu treffen, die verhindern, dass die Schuldenkrise der EU-Staaten das Weltfinanzsystem vollends demoliert. Auch deutsche Banken kaufen zurzeit hochverzinsliche griechische Staatsanleihen und spekulieren gleichzeitig mit Versicherungen der gleichen Anleihen auf den Bankrott des Landes.

Wenn diese casinoartige Zockerei weitergeht, ist die Kettenreaktion in anderen Ländern vorprogrammiert, denn es gibt einen gewaltigen Unterschied zwischen einem Casino und dem Finanzmarkt: In Casinos haben Spielkranke keinen Zutritt! Seit Beginn der Weltfinanzkrise lügt man uns vor, die Politik würde sich weltweit für eine Kontrolle der Finanzmärkte einsetzen. Passiert ist nichts!

Dieser Außenminister wird sich zuallerletzt für massive Kontrollen derselben einsetzen. Stattdessen hetzt er Klein- und Mittelverdiener gegen diejenigen auf, die kein Arbeitseinkommen haben, sondern von Hartz IV leben müssen, und spricht von „spätrömischer Dekadenz“. Man sollte sich von dieser Aussage nicht täuschen lassen, denn im alten Rom waren nicht etwa die Erwerbslosen und sozial Benachteiligten dekadent, sondern die herrschende Elite.

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