Leserbriefe

Bußgeldbescheid

19.07.2008, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Peter Staub, Nürtingen. Als mündiger Bürger der Stadt Nürtingen möchte ich zu einem Vorfall von letzter Woche meinem Ärger Luft machen. Da ich meinem krebskranken Vater wegen akut auftretender Nebenwirkungen im Rahmen einer Chemo-Therapie schnell Medikamente aus der Apotheke holen musste, habe ich mein Fahrzeug notgedrungen für zirka zwei Minuten im Fußgängerbereich (vor der Volksbank Nürtingen) abgestellt, da alle anderen Parkmöglichkeiten belegt waren.

In diesen eineinhalb bis zwei Minuten wurde von dem „Tatzeugen Nummer 24“ ein „Strafzettel“ in Höhe von 30 Euro ausgestellt. Hier muss bereits bei meiner Ankunft mein Gang zur Apotheke beobachtet worden sein, andernfalls könnte in diesem kurzen Zeitraum kein Bußgeldbescheid erstellt worden sein. Hier ist es mir unverständlich, wie man in einem solch offensichtlichen Fall nicht das persönliche Gespräch suchen kann.

Die Pietätlosigkeit in solch einem Fall ist für mich nicht mehr nachvollziehbar. Eine Ermahnung oder der Hinweis, dass ich hier auch im Notfall nicht stehen bleiben könne, hätte denselben Zweck erfüllt und bei mir als engagiertem Mitglied der Stadt Nürtingen ein „Wir“-Gefühl hervorgerufen. Ich bin mir durchaus bewusst, dass gewisse Regeln notwendig sind, um das Ordnungswesen aufrechtzuerhalten und diese einzuhalten sind.

Hingegen ruft diese Art der „Bestrafung“ eher das Gefühl hervor, dass die Kommune eher gegen den engagierten Bürger arbeitet und es nur um das Eintreiben von Bußgeldern geht. Hier muss man sich die Frage stellen, inwieweit man gemeinnützige Gemeindearbeit und Förderung der Stadt Nürtingen noch unterstützt, wenn dies der gelebte Ethos und die Vorgehensweise der Gemeindebediensteten ist.

Ich kann Strafen gerne kritiklos akzeptieren, wenn sie gerechtfertigt, fair und in Verhältnismäßigkeit vollzogen werden und dem Wohle aller dienen. Doch fällt es mir schwer, wenn man als Bürger das Gefühl bekommt, nur „gemolken“ zu werden.

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